Kurz und knapp: Mit dem iPad der 10. Generation hat Apple seinem Basis-Modell im Jahr 2022 eine Runderneuerung gegönnt, die es in jeglicher Hinsicht in sich hat. Neue Funktionen, ein für das Basis-Modell brandneues und an hochwertigeren Modellen orientiertes Design – aber auch eine neue Preispolitik, die für Schulen noch problematisch werden wird.

Denn: Günstig, einfach, zuverlässig – das ist bislang das Motto des Einsteiger-iPads. Und das hat in den Schulen in den letzten Jahren unglaublich gezogen. Vermutlich kein Tablet wird so häufig genutzt wie das iPad. Egal ob seitens Schulträger, Schule oder elternfinanziert: Das Preis-Leistungsverhältnis ist sehr gut und das Modell hat sich in inzwischen vielen Schuljahren und Schülergenerationen bewährt, so auch an meiner Schule.

Mehr dazu auch in früheren Blogbeiträgen:

Mit der im Oktober 2022 vorgestellten zehnten Generation hat Apple das „Einstiegsmodell“ gewaltig aufgewertet. Doch genau dieser doch eigentlich so positive Aspekt wird für Schulen zum größten Manko: Damit einher geht eine deutliche Preiserhöhung, die in meinen Augen alle bisher vorhandenen Limits für digitale Lernmittel ad absurdum führt. Und das ist schade für alle Schulen, die auf die unglaublich zuverlässige Apple-Technologie setzen.

iPad 2022
Neue Farben, neues Design – zwar nur Oberflächlichkeiten, aber eben auch mit Funktionsänderungen (Homebutton, Kamera) und größerem Display verbunden (Bild: Apple 2022).

Dass mit der 10. Generation ein großer Einschnitt kommt, sieht man schon auf den ersten Blick. Die neuen, sehr knalligen Farben sind da die kleinste Veränderung. Nachdem das Basis-iPad als letztes Modell auf das klassische Design mit abgerundeter Rückseite setzte, ist nun auch hier der kantige neue Apple-Look eingezogen. Wie das iPad Pro, das iPhone und auch die neueren Mac-Notebooks zieren nun auch das Einsteiger-iPad klare Metallkanten an der Seite. Das bringt aber nicht nur einen neuen Look – sondern hat auch Folgen für die Nutzung.

Neuigkeiten und Altbekanntes

Zum einen ist da die überarbeite Front. Abgesehen vom iPhone SE war das Basis-iPad das letzte Apple-Gerät mit Homebutton. Der ist nun auch hier Vergangenheit: Wie bei den teuren Modellen wurden Displayränder weitgehend vermieden, der Bildschirm bedeckt nahezu die ganze Front. Das hat einen sofort sichtbaren Vorteil: Die Displaydiagonale wächst bei nahezu gleichen Gehäusemaßen von 10,2 auf 10,9 Zoll.

Das ist für Schule und Unterricht ein großer Vorteil und eine deutliche Verbesserung. Im Vergleich zu den ersten iPads mit 9,7 Zoll, die wir seit 2015 nutzten, sind nun satte 1,2 Zoll hinzugekommen – und das bei weitgehend gleich gebliebener Gerätegröße. Das macht sich bei allen für das Lernen genutzten Funktionen unmittelbar bemerkbar und lässt das iPad noch näher an das iPad Pro 11 rutschen.

Das neue iPad 2022 (10. Generation) für Schule & Unterricht - Vorteile und Nachteile 1
Neues Design, neues Format, größeres Display: Sicherlich einer der größten Vorteile des neuen iPad 2022 (10. Generation) für den Unterricht (Bild: Apple 2022).

Für Schulen, die auf Microsoft Office setzen, wird es nun aber umso wichtiger, die kostenlos verfügbaren Office 365-Lizenzen für Schulen zu nutzen – denn kostenlos sind die Microsoft Office-Apps nur bis 10,1 Zoll verwendbar.

Auch das Entsperren ändert sich: Wie beim iPad Air setzt Apple weiter auf einen Fingerabdruck-Scanner, der sich im Einschaltknopf auf der Seite versteckt. Das ist in der Schule vielleicht etwas unpraktischer im Vergleich zum iPad Pro (mit Augensensor), stellt aber keinen großen Nachteil dar – und sicherlich wird diese Funktion auch mit den nächsten iPad-Generationen verschwinden.

Kamera und USB-C – kleine Änderungen mit großem Effekt

Erst auf den zweiten Blick tun sich zwei weitere Details des Designs auf, die überraschend große Folgen haben. Zum ersten Mal hat Apple die Frontkamera nicht in der kurzen, sondern mittig in der langen Seite untergebracht. Vor allem bei Videotelefonie im Querformat – etwa in Videokonferenzen oder beim Facetime-Anruf – ist das eine gelungene Verbesserung.

Interessant auch: Mit einem Software-Trick passt die in 1080p auflösende Kamera die Augen so an, dass sie immer wirken, als würde man direkt in die Kamera schauen (ein anschauliches Beispiel findet man auf der Apple-Website zum iPad 2022). Das macht sowohl Videoanrufe als auch Videokonferenzen noch etwas persönlicher – ich bin gespannt, ob diese Funktion auch bei personalen Erklärvideos nutzbar sein wird und werde es gleich ausprobieren, sobald wir diese iPads bei uns haben. Hier hat das neue Einsteiger-iPad jedem teureren Modell klar etwas voraus.

Nicht weniger wichtig ist die Umstellung auf USB-C. Als letztes iPad hat nun auch das Einsteiger-Modell Apples eigenen Lightning-Anschluss gegen den modernen Standard ausgetauscht. Und wird damit völlig neue Nutzungsszenarien erweitert. Wie die teuren Modelle lässt sich nun auch das günstigste iPad auf einen Schlag mit unzähligen Geräten nutzen, vom Gamepad bis zum Bildschirm. Selbst ein Notebook-Dock mit Maus, Tastatur und Monitor lässt sich ansteuern, das iPad wird dann quasi zum Desktop-Rechner.

Aber, und dieser Punkt kam erst heute beim Schreiben dieses Blogbeitrags heraus: Der USB-C-Port ist deutlich ausgebremst und kommt von der Geschwindigkeit her nicht über seinen Vorgänger USB 2.0 hinaus, wie notebookcheck.com in einer Meldung deutlich zeigt. Diesen Nachteil wird aber kaum jemand bemerken, werden doch nur selten größere Daten über das USB-Kabel ausgetauscht.

Dennoch: Größter Vorteil für Schulen ist zweifelsohne die weitere Vereinheitlichung der Anschlüsse, die ja sowieso europaweit ab 2024 kommen wird. Endlich können alle – ob Schülerinnen und Schüler oder Lehrpersonen – die gleichen Ladekabel nutzen und ggf. untereinander austauschen. Ein Praxisproblem, das sicherlich vielen Lehrpersonen, die häufig auf das iPad Pro 11 setzen, bekannt sein dürfte…

Seltsam bis nervig – der Apple Pencil am iPad 2022

Das neue iPad 2022 (10. Generation) für Schule & Unterricht - Vorteile und Nachteile 2
Welcher Apple Pencil lässt sich mit welchem iPad verwenden? (Bild: Apple 2022)

Beim Apple Pencil hat Apple aber eine sehr seltsame Entscheidung getroffen, die schwer nachvollziehbar wirkt: Statt des für das kantige Design optimierten Pencil der zweiten Generation unterstützt das neue iPad weiter nur den ersten Stift. Und das, obwohl der für den nicht mehr vorhandenen Lightning-Anschluss gedacht ist.

Will man den Stift nun verbinden, braucht man einen zusätzlichen Adapter. Der liegt neu gekauften Stiften bei. Wer bereits einen besitzt, muss ihn nachkaufen. Nur per Adapter lässt sich der Stift aber immer noch nicht verbinden: Der Doppelstecker erlaubt es lediglich, den Stift per USB-C-Kabel mit dem iPad zu verbinden. Das ist eine ungewohnt praxisunfreundliche Apple-Entwicklung. Und dass man den Adapter nun braucht, um den Stift überhaupt nutzen zu können, ist schon sehr unpraktisch.

Leistung: Sicherlich schnell genug

Mit dem neuen A14-Chip ist das iPad der zehnten Generation zwar schneller als sein Vorgänger, an die rasante Leistung der neuen iPads Pro oder auch des im Frühjahr vorgestellten iPad Air kommt es aber nicht in Ansätzen heran. Während die Edel-Modelle mit Apples Notebook-Prozessoren der M-Serie ausgestattet sind und damit zu echten Arbeitsmaschinen wurden, muss sich das einfache Modell mit einem iPhone-Prozessor zufriedengeben, der sich wohl in etwa auf dem Stand des iPhone 12 bewegt.

Für die Nutzung in der Schule dürfte das aber wenig negative Punkte mit sich bringen: Das Basis-iPad war bislang in jeder Generation im Schulalltag ein zuverlässiger und vor allem schneller Begleiter.

Und wer es schneller und stärker möchte, der kann ja auf eines der Pro-Modell ausweichen. Ein Schritt, der angesichts exorbitanter Anschaffungskosten für elternfinanzierte BYOD-Modelle aber nicht in Frage kommt.

Großes Manko: Die Preispolitik

Das größte Manko des neuen iPads ist – wie anfangs bereits gesagt – sein Preis: Mit einer unverbindlichen Preisempfehlung von 579 Euro für das 64-GB-Modell ist es deutlich teurer als die Vorgängermodelle bei Einführung. Dass deren Preise seit dem letzten Jahr deutlich gefallen sind, macht die Lage langfristig nicht besser: Ein iPad der neunten Generation ist selbst bei seriösen Händlern längst für 320-350 Euro zu bekommen – und damit über 200 Euro billiger. Hier die aktuell noch erhältlichen iPads der 9. Generation:

2021 Apple iPad (10,2", Wi-Fi, 64 GB) - Space Grau (9. Generation)
2021 Apple iPad (10,2", Wi-Fi, 256 GB) - Space Grau (9. Generation)
2021 Apple iPad (10,2", Wi-Fi + Cellular, 64 GB) - Space Grau (9. Generation)
2021 Apple iPad (10,2", Wi-Fi + Cellular, 256 GB) - Space Grau (9. Generation)
2021 Apple iPad (10,2", Wi-Fi, 64 GB) - Space Grau (9. Generation)
2021 Apple iPad (10,2", Wi-Fi, 256 GB) - Space Grau (9. Generation)
2021 Apple iPad (10,2", Wi-Fi + Cellular, 64 GB) - Space Grau (9. Generation)
2021 Apple iPad (10,2", Wi-Fi + Cellular, 256 GB) - Space Grau (9. Generation)
393,84 EUR
546,73 EUR
513,95 EUR
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Auf der anderen Seite kostet das technisch bessere iPad Air mit M1-Chip nur knapp 100 Euro mehr als das neue iPad. Und bietet dafür nicht nur erheblich mehr Leistung, sondern auch zahlreiche Detailverbesserungen wie das laminierte Display und die Unterstützung des Apple Pencil 2. Hier die aktuell erhältlichen iPad Air-Varianten:

2022 Apple iPad Air (Wi-Fi, 64 GB) - Space Grau (5. Generation)
2022 Apple iPad Air (Wi-Fi, 256 GB) - Space Grau (5. Generation)
2022 Apple iPad Air (Wi-Fi + Cellular, 64 GB) - Space Grau (5. Generation)
2022 Apple iPad Air (Wi-Fi, 64 GB) - Space Grau (5. Generation)
2022 Apple iPad Air (Wi-Fi, 256 GB) - Space Grau (5. Generation)
2022 Apple iPad Air (Wi-Fi + Cellular, 64 GB) - Space Grau (5. Generation)
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Für Schulen, die auf das iPad als zuverlässiges Lernmittel setzen, könnten die nächsten Jahre schwierig werden. Es gilt nun sehr kritisch abzuschätzen, ob gemeinsam mit Elternvertretungen und Schülerinnen und Schülern ein für alle Seiten praktikabler Weg gefunden werden kann – oder ob es angesichts fast verdoppelter Anschaffungskosten zu einem Umdenken kommen wird. Letzteres erscheint mir weniger realistisch, da Apple-Geräte in vielen Schulen zu einem elementaren Bestandteil einer unkomplizierten, funktionalen und zuverlässigen Lernumgebung geworden sind. 

Fazit: Eigentlich das beste iPad für Schule & Unterricht, aber…

Mit dem iPad der zehnten Generation hat Apple auch seinem (eigentlich) günstigsten Tablet das moderne Äußere der Pro-Modelle gegönnt. Zudem ist das Basis-iPad nun nicht nur leistungsfähiger, sondern wirkt auch frischer als der Vorgänger. 

Leider gibt es mehr als nur einen Wermutstropfen. Die fehlende Unterstützung des zweiten Apple Pencils macht die Stift-Nutzung unnötig und – für Apple völlig untypisch – unpraktisch. Die deutliche Preiserhöhung im Vergleich zum Vorgänger macht das Gerät auf einen Schlag eher unattraktiv. Das gilt insbesondere für Schulen und Familien, die ja per se auf ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis angewiesen sind. Möchten Schulen weiterhin unabhängig vom individuellen Hintergrund eine echte digitale 1:1-Lernumgebung ermöglichen, so wird das mit dem neuen Basis-iPad deutlich schwieriger. Hier müssen ggf. auch Schulen, Schulträger und die Länder in verstärkten Austausch treten – eine Frage, die angesichts der zunehmend geforderten Einstufung von Tablets als Lernmittel sowieso auf der Agenda steht.

Beruhigend ist in diesem Kontext vor allem, dass das iPad der 9. Generation weiterhin verfügbar sein wird. Für einen weiteren Überblick über Alternativmodelle könnte auch der Blogbeitrag „Überblick: Welches iPad in der Schule?“ relevant sein. Für Schulen könnte es daher besonders interessant werden, schon jetzt mehrere Jahrgänge mit diesem Modell auszustatten und zu hoffen, dass in den nächsten Jahren ein vergleichbares Folgemodell mit einem deutlich günstigeren Preisrahmen erhältlich sein wird…

2022 Apple 10,9" iPad (Wi-Fi, 64 GB) - Silber (10. Generation)
2022 Apple 10,9" iPad (Wi-Fi, 256 GB) - Silber (10. Generation)
2022 Apple 10,9" iPad (Wi-Fi, 64 GB) - Silber (10. Generation)
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