Auch das Jahr 2025 war wieder ein besonderes Fortbildungsjahr. An jedes einzelne Kollegium habe ich beste Erinnerungen und denke dankbar an zahllose gute, konstruktive und oft auch spannende Begegnungen zurück.
Und auch im Jahr 2025 ist die Nachfrage nach Fortbildungen weiter deutlich gestiegen – insbesondere mit dem Wunsch nach Verbindung von Theorie und Praxis, Wissenschaft und Schulrealität, Pädagogik und Didaktik mit digitalen Technologien. Letztes Jahr nach wie vor im Fokus: (Generative) KI. Dabei sind die Vorkenntnisse höchst unterschiedlich und zumeist beginnen die Anfragen mit Sätzen wie: „Wir wollen uns als Schule auf den Weg machen…“, „Im Kollegium gehen die Meinungen auseinander…“, „Wir benötigen Unterstützung von außerhalb, um einen gemeinsamen Rahmen für Schulentwicklung zu schaffen…“, „Wir würden Sie gerne gewinnen, um unser Kollegium zu motivieren…“.
Befragung zu Vorkenntnissen zum Thema KI: 772 Lehrkräfte haben geantwortet
Da mich jeder Fortbildungstag an eine andere Schule führt, in ein anderes Schulsystem und sehr häufig auch in andere Bundesländer oder Staaten, führe ich vor manchen Fortbildungstagen oder Vorträgen Vorab-Befragungen durch, um das Kollegium kennenzulernen. Meine Mentimeter-Befragungen habe ich jetzt einfach mal bzgl. zwei Items, die ich regelmäßig abfrage, per Excel im Überblick ausgewertet.
Nicht für jede Fortbildung führe ich solche Vorab-Befragungen durch, aber im Jahr 2025 haben immerhin n=772 Lehrkräfte per Mentimeter auf die Frage „Ich habe mit generativer KI…“ geantwortet – und die Ergebnisse zeigen die schulische Realität in Zahlen:
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- 45% haben „etwas Erfahrung“
- 31% haben „wenig Erfahrung“
- 13% haben „keine Erfahrung“
- 11% haben „viel Erfahrung“

Lehrkräfte & KI: 44% mit keiner bis wenig Erfahrung – was bedeutet das?
Knapp 90% der Lehrkräfte bewegen sich vor dem geplanten SchiLf-Tag also zwischen „etwas“ und „gar keiner“, noch 56% zwischen „wenig“ und „keiner“ Erfahrung. Das ist die Realität an unseren Schulen – und diese Ergebnisse decken sich ziemlich genau z.B. mit dem Deutschen Schulbarometer 2025 der Robert Bosch Stiftung.

Während in Social Media und der entsprechenden Lehrkräfte-Bubble schnell der Eindruck entsteht, man sei deutlich weiter, zeigt sich: Die meisten Kolleginnen und Kollegen stehen noch ganz am Anfang ihrer KI-Erfahrung. Jetzt könnte man es sich leicht machen und auf die Trägheit des Schulsystems und den zumindest systemisch geringen Entwicklungsdruck verweisen. Die Ergebnisse sind aber doch erschreckend im allgemeinen schulischen Kontext – denn (generative) KI gehört in Schule und Unterricht als „unsichtbarer Riese“ längst dazu, in jeder Unterrichtsstunde ist mit digitalen Endgeräten auch (generative) KI in Lern- und Arbeitsprozessen mit im Spiel. Das zeigen u.a. die Ergebnisse der JIM-Studie 2025 mit Blick auf die KI-Nutzung heutiger Kinder und Jugendlicher, deren Ergebnisse ich hier in Auszügen zeige.



Und welche KI-Tools nutzen Lehrkräfte? Einblicke jenseits der Social Media-Bubble (n=674)
Und die allgemeinere Auswertung zu den Vorkenntnissen kann ich hier noch mit weiteren Einblicken ergänzen: Aus den Vorabbefragungen habe ich immerhin von 674 Lehrkräften in schulinternen Fortbildungen im Jahr 2025 Rückmeldungen erhalten, mit welchen KI-Tools sie bereits konkret gearbeitet haben.

Hintergrund-Information: Die Befragung erfolgte per offener Abfrage als Wortwolke ohne vorgegebene Tool-Liste. Die dort genannten Ergebnisse habe ich per Hand zusammengefasst (z.B. bei unterschiedlicher Ortographie von ChatGPT/Chat/chatgtp etc.) und anschließend nach Sprachmodellen/LLM und KI-Plattformen strukturiert.
Die Ergebnisse zeigen einen bemerkenswerten Kontrast zum Stand der Diskussion in der Edu-Bubble:
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- ChatGPT dominiert mit 69,88% – kein anderes LLM/Sprachmodell bzw. KI-Tool kommt auch nur annähernd in die Nähe.
- Danach folgen bereits mit großem Abstand fobizz (14,69%) und Gemini (8,01%).
- Das in Social Media vielgepriesene LLM „Claude Sonnet“ aus Kalifornien? Nur 1,15% – obwohl es in vielen Fachkreisen als eines der leistungsstärksten Modelle gilt.
- Von NotebookLM, NapkinAI & Co., über die ich hier bereits viel geschrieben habe, brauchen wir gar nicht zu sprechen. Diese leistungsstarken Tools kennen in Fortbildungen bei kurzen Abfragen im Plenum immer nur die 1-2 Kolleginnen und Kollegen aus der Vorbereitungsgruppe (wenn überhaupt), auch FelloFish ist zumeist nur wenigen bekannt (das ist hinterher anders).
Wichtig ist nochmal der Hinweis: Das ist natürlich keine wissenschaftliche Auswertung, sondern aus der Fortbildungspraxis heraus entstanden – dadurch gibt es natürlich Verzerrungen.
Herausforderung für 2026: Selbstverständliche KI-Nutzung auf Schülerseite vs. unvorbereitete Kollegien
Wichtig ist mit Blick auf die Ergebnisse nochmal der Hinweis: Das ist keine wissenschaftliche Auswertung, sondern aus der Fortbildungspraxis heraus entstanden – dadurch gibt es natürlich Verzerrungen. Aber: Wie auch bei der ersten Auswertungsfrage erinnern die Detail-Ergebnisse erneut daran, wie wichtig es ist, sich der Diskrepanzen zwischen der engagierten Social Media-Community und der Schulrealität bewusst zu sein. Während bei Instagram, LinkedIn und in Blogs und Videos über die neuesten Features, AI-Agents, Prompt Engineering und verschiedene LLMs debattiert wird, arbeitet die große Mehrheit der Kolleginnen und Kollegen – wenn überhaupt – mit dem einen LLM, das sie kennen: ChatGPT bzw. (sofern Zugang) mit fobizz u.a. Schulplattformen und hat nur in seltenen Ausnahmefällen „viel Erfahrung“ mit (generativer) KI. Das ist auch insofern schwierig, als Schülerinnen und Schüler sich von ihren Lehrkräften durchaus Unterstützung und Lerngelegenheiten mit Blick auf die Herausforderungen und Gefahren von KI wünschen. Das zeigte sich zuletzt sehr deutlich in einer größeren Studie von Oxford University Press mit Blick auf Jugendliche in Groß-Britannien, die ebenso selbstverständliche wie deutsche Jugendliche KI nutzen, zugleich aber mit Blick auf KI und Falschinformationen überfordert sind.

Die in den oben gezeigten Ergebnissen klar erkennbare Problematik soll nicht als pauschale Kritik an den in unterschiedlichsten Bereichen großen Belastungen ausgesetzten Lehrkräften verstanden werden, sollte uns aber gerade für das Jahr 2026 etwas vorsichtiger stimmen. Wichtig sind jetzt vor allem
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- konsequente, grundlegende Fortbildung,
- kontinuierliche Schulentwicklung (unter den Bedingungen von KI) und
- der Fokus auf gezielte Professionalisierung mit Blick insbesondere auf gute/bessere Lernprozesse.
Aber das würde ganze Buchkapitel erfordern – und da sitze ich gerade mit einem tollen Team dran…


