Die Online-Anwendung Padlet gehört spätestens seit dem Frühjahr 2020 zu den meistgenutzten Tools für einen kreativen, kollaborativ gestalteten und unter den Bedingungen von Online- oder Blended-Learning-Szenarien gestalteten Unterricht. Vom Grundprinzip her ist Padlet eine digitale Pinnwand, auf der Texte, Bilder, Videos, Links, Sprachaufnahmen und Zeichnungen abgelegt sowie sämtliche Materialien kommentiert, bewertet und verschoben werden können. Dafür bietet Padlet verschiedene Vorlagen an, um in die kooperative Arbeit zu starten.
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- In einem Überblicksbeitrag habe ich unterschiedlichste Praxisbeispiele zur Nutzung von Padlet im Unterricht und in der Schulgemeinschaft zusammengestellt: Blogbeitrag „24 Praxisbeispiele zur Nutzung von Padlet“
- Wer noch tiefer einsteigen möchte, findet in dem Blogbeitrag „30 Praxisbeispiele für Padlet im Unterricht“ viele weitere Unterrichtsideen.
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Von der klassischen Pinnwand über Bücherregale, Chat-ähnliche Umgebungen, Landkarten bis hin zur Zeitleiste – Inhalte können ganz unterschiedlich strukturiert und gemeinsam bearbeitet werden. Vor allem die Offenheit von Padlet macht einen der größten Vorteile aus. Prinzipiell können Inhalte jeglicher Art eingebunden und verlinkt werden, viele Einzelbausteine ergeben dann ein inhaltliches Gesamtbild.

Doch Schulen in manchen Bundesländern stehen vor dem großen Problem, das Padlet teilweise als nicht datenschutzkonform eingeschätzt und daher von der Nutzung abgeraten oder diese auch gleich untersagt wird. Das führt natürlich zu großer Unsicherheit auf allen Seiten, denn diese und ähnliche Schlagzeilen wirken oft mehr als die kontinuierliche Zusammenarbeit mit Schüler- und Elternschaft in dem Bestreben, Datenschutz und Arbeitsfähigkeit miteinander zu verbinden.
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- In einem Blogbeitrag bietet der Datenschutzbeauftrage Dirk Thiede einen guten Überblick zu Datenschutzfragen rund um Padlet und gleich auch Erklärungen zur Einwilligung in die Nutzung von Padlet, die Schulen direkt verwenden können.
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Daher ist es nur verwunderlich, dass bislang kein deutscher Anbieter das Prinzip von Padlet adaptiert und für die Nutzung in deutschen bzw. europäischen Schulen angepasst hat. Auch hat Padlet mit recht hohen Lizenzgebühren derzeit durchaus noch Verbesserungspotential für den Unterricht – also eine echte Lücke, die bisher keine relevante Alternative füllen konnte.
TaskCards – eine Alternative zu Padlet?
Mit TaskCards steht nun ein Tool in den Startlöchern, dass tatsächlich das Potential haben könnte, als echte Padlet-Alternative im Unterricht funktionieren zu können.

Die Motivation des Entwicklungsteams aus Thüringen als Eltern schulpflichtiger Kinder, die selbst die Schwierigkeiten digitalen Lernens und Arbeitens in der Schule miterlebten, ist denkbar einfach. In einem Mail-Austausch betonten sie, dass es Ihnen vor allem darum geht
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- eine einfache Möglichkeit zu bieten, in Online- und Blended-Learning-Szenarien zu zusammenzuarbeiten und zu interagieren,
- Schulen und Lehrpersonen eine DSGVO-konforme Alternative zu Padlet zu bieten,
- Lehrpersonen in Bezug auf Datenschutz-Diskussionen zu entlasten,
- eine gerade auch mit Blick auf den Grundschulbereich unkompliziert nutzbare Plattform zu entwickeln (nach eigenen Erfahrungen mit Moodle und der HPI Schulcloud)
- und dafür mit Lehrpersonen und Schülerinnen und Schülern zusammenzuarbeiten und deren Wünsche und Bedürfnisse gezielt aufzunehmen.
TaskCards – die Entwicklung & Features
TaskCards steht aktuell ganz am Anfang der Entwicklung, das Projekt wurde erst im Februar 2021 gestartet. Daher bietet die Plattform bisher grundlegende Funktionen an, wird aber laufend ausgebaut und tritt Stück für Stück immer deutlicher in Konkurrenz zu Padlet.

Dazu hat TaskCards inzwischen auch eine „Feedback / Vorschläge“-Seite integriert, um Wünsche und Anregungen zu sammeln, die dann je nach Realisierbarkeit umgesetzt werden sollen, sowie ein Update-Log. Ziel ist es, laufend Updates zu veröffentlichen, um kontinuierlich neue Funktionen zu integrieren und letztlich einen Funktionsumfang wie Padlet zu erreichen. Ein ambitioniertes Ziel, aber die letzten Monate haben bereits eine kontinuierliche Weiterentwicklung gezeigt und gerade die letzten Updates von Mitte März bis Anfang Juni deutliche Verbesserungen gebracht.
Logbuch: Entwicklung und Features (Stand: 11.06.2021)
Die Änderungen werde ich hier laufend in Form eines Logbuchs begleiten.
Bereits realisierte Funktionen:
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- Anlegen / Bereitstellen von Text- / Bild- und Audio-Karten mit diversen Dateianhängen und Links,
- ein Kontaktformular für einfachen Austausch,
- ein datenschutzkonformes und ganz einfach als eigene Karte integrierbares Videokonferenz-Tool (über Sichere-Videokonferenz.de, das letztlich auf Basis einer Jitsi-Instanz läuft),
- die einfache Zusammenarbeit von Lehrpersonen und Schülerinnen und Schülern (mit unterschiedlichen Zugriffsrechten) per Token oder Freigabelink (seit 10.03.21),
- Vorlagen für Pinnwände,
- das Kopieren von Pinnwänden und Verweise auf andere Pinnwände,
- das Kopieren von Einträgen,
- eine Ordnerstruktur innerhalb TaskCards,
- das Kommentieren von Einträgen,
- Karten zum Ausklappen bzw. mit fester Höhe,
- die Darstellungsformen / Vorlage: Regal, Zeitstrahl & Tafel,
- Abspielen von Audio & Video,
- Aufnahme von Sprache & Foto,
- Sprache auswählen (an der Übersetzung wird noch gearbeitet),
- Bearbeitungsdatum der Einträge,
- Pinnwände als JSON exportieren,
- einen QR-Code generieren (leider bisher nur als Download, nicht als Direktanzeige – sehr praktisch im Unterricht für schnellen Zugang),
- Uploads bis 100MB,
- Liken von Einträgen.
- Verschieben von Inhalten per Drag & Drop – eine praktische Funktion von Padlet, wenn es um Zusammenarbeit und das Ordnen von Materialien geht.
- Kopieren / Duplizieren von Karten innerhalb einer Spalte und zwischen Pinnwänden,
- WirLernenOnline-Materialsuche.
Angekündigte Funktionen (Stand: 11.06.2021):
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- Alle bisher angekündigten neuen Funktionen wurden in den Updates vom 16. und 30.03.bzw. 26.04. und 06.05.2021 realisiert. Vorerst wird es nur kleinere Verbesserungen geben.
Lizenzen und (mögliche spätere) Kosten
Solange sich TaskCards in der Entwicklungsphase befindet, wird das Tool kostenlos bleiben. Hauptziel der Entwickler ist es, das digitale Lernen in den Schulen zu fördern und eine einfache und DSGVO-konforme Plattform zu Verfügung zu stellen. Mark Henkel, einer der Entwickler, sagt aber auch ganz offen (und nachvollziehbar):
„Falls irgendwann die Kosten für TaskCards unser Firmenbudget überschreiten, werden wir natürlich versuchen müssen uns über die Nutzer zu refinanzieren.
Erste Überlegungen zielen auf einen Preis von 5€ pro einzelne Lehrkraft pro Monat und das Angebot von Staffelungen für Schullizenzen mit mehreren Lehrern. […]
Wir stellen auch fest das die Lizenzen oft missverstanden werden. Bei Padlet musste jeder Zugang für Lehrer*innen und Schüler Lizensiert werden. Wir stellen Jedoch nur Lizenzen für die Lehrer bzw. Ersteller der Pinnwände aus. Schüler benötigen keine Lizenz und keinen Account. Schüler werden sich zukünftig ohne Account, mit einem Token (ähnlich einem Passwort) an Pinnwänden authentifizieren können um so, an vom Lehrer freigegebenen Bereichen der Pinnwand, mitarbeiten zu können. Dadurch erreichen wir das wir keine personenbezogenen Daten der Schüler erfassen müssen, die Pinnwände gegen ungewollte Veränderungen geschützt bleiben und doch eine Interkation möglich ist.“
Wie funktioniert TaskCards? Erster Einblick
Nach der schnell erledigten Registrierung (derzeit mit Auswahl einer möglichen Zahl an Beteiligten) geht es direkt los und die erste Pinnwand kann angelegt werden. Dabei erinnert der Aufbau schon jetzt stark an Padlet – mit nur kleineren Unterschieden.
Startseite
Aktuell suchen die Entwickler noch Tester. Die Registrierung geht schnell und auch auf Rückfragen per Mail wird schnell reagiert.

Überblick – Funktionen von TaskCards
Eine erste Start-Pinnwand gibt schonmal einen guten Einblick in die aktuellen Funktionen, die jetzt aber laufend erweitert werden.

Noch neu ist die Zeitleisten-Vorlage von TaskCards, mit der sich schon jetzt sehr gut arbeiten lässt – gerade in Schule und Unterricht besonders praktisch.

Eine Pinnwand eröffnen
Die Pinnwände werden übersichtlich dargestellt (da wird sich sicherlich auch noch einiges verändern) und lassen sich ganz einfach per +-Button neu eröffnen.

Mit einer Pinnwand arbeiten
Schon jetzt bietet TaskCards grundlegende Funktionen, mit denen sich bereits übersichtliche Sammlungen erstellen lassen. Gerade dieser Bereich wird sicherlich in der nächsten Zeit deutlich weiterentwickelt und aufgewertet. Prinzipiell kann man aber schon jetzt (Text, Bilder, Youtube-Verlinkungen + Videokonferenz) loslegen, auch wenn viele praktische Padlet-Funktionen noch fehlen. Dass inzwischen auch interne Pinnwand-Verlinkungen möglich sind (Update vom 09.03.2021) ist genau der richtige Schritt für zusammenhängende Sammlungen und die Zusammenarbeit im Unterricht.


Rechtevergabe für Pinnwände
Inzwischen lassen sich per Zugangsschlüssel auch ganz einfach unterschiedliche Rechte für die Bearbeitung der TaskCards-Pinnwände vergeben. Eine praktische Funktion für den Unterricht, gerade auch, wenn man die neue Pinnwand-Verlinkung nutzen möchte und dann in unterschiedlichen Pinnwänden unterschiedlicher User arbeitet.

Die Zugangsschlüssel können jetzt auch ganz einfach per Link geteilt werden. Sehr praktisch, gerade im Unterricht, wenn mal schnell ein Zugang per Messenger, Chat oder Mail geteilt werden soll.

Die neue Tafel-Vorlage
Mit der neuen Tafel-Vorlage hat TaskCards innerhalb kürzester Zeit eine flexible Vorlage eingeführt, die sich eigentlich für alle Themen nutzen lässt. Wie diese Vorlage fuktioniert, zeige ich im Youtube-Tutorial:

TaskCards im Vergleich zu Padlet – was fehlt noch?
Völlig klar ist, dass TaskCards aktuell ganz am Anfang der Entwicklung steht (Version 0.1x). Die bislang verfügbare Beta-Version ist also eine erste und für Tests eröffnete Ausgangsversion. Das ist insofern ein besonderer Schritt, als Lehrpersonen und alle anderen Interessierten jetzt an der Entwicklung mitwirken können – ein ganz wichtiger Punkt, den auch die Entwickler ganz deutlich ansprechen. Im Vergleich zum teuren Padlet fehlen daher noch viele Funktionen, spannend wird, was davon Einzug in TaskCards hält:
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- Es fehlen noch einige der vielseitigen Vorlagen von Padlet, die die Arbeit im Unterricht so bereichern und die strukturierte Zusammenarbeit erleichtern: Die Landkarten-Vorlage (lerne ich aktuell sowohl in Geschichte als auch Spanisch immer mehr zu schätzen) oder eine Chat-Vorlage, um nur einige zu nennen.
- Beitragsformate: Google-Suche, Bildschirm zeichnen, …
- Die praktischen Export-Funktionen von Padlet, so z.B. das interaktive PDF, das sich sehr gut als Ergebnissicherung und zum Verschicken eignet – eine Druckfunktion hat TaskCards aber bereits und auch der JSON-Export wurde schon (09.03.2021) integriert.
- wird weiter ergänzt
Kurzfazit
TaskCards ist für Padlet-User auf jeden Fall eine sehr spannende Alternative – bzw. besser gesagt: Es könnte auf mittlere Sicht zu einer Alternative werden. Die aktuelle Entwicklerversion zeigt, dass die Entwickler sich eng an Padlet orientieren, dies aber DSGVO-konform umzusetzen versuchen. Und das ist der Kern: Denn Padlet ist inzwischen ein absolutes Standard-Tool in deutschen Schulen und in meinen Augen und für meinen Unterricht essentiell für die Planung von kohärentem Blended Learning (ganz zu schweigen vom Distanzlernen online) – zumindest solange jedem der verfügbaren Lernmanagementsysteme eine Funktionalität für nahtlose Zusammenarbeit, wie Padlet sie bietet, fehlt.
Verwunderlich ist auch, dass Padlet trotz relativ hoher Kosten offensichtlich wenig Investitionen in Updates und neue Funktionen steckt. So ist gerade seit dem Padlet-Boom im letzten Jahr wenig passiert und man hält sich sehr mit Erweiterungen zurück.
Diese Lücken könnte eine Anwendung wie TaskCards, die von ihren Entwicklern bewusst ganz nah an der Zielgruppe und direkt mit Blick auf das Beta-Feedback gestaltet wird, ausfüllen. Die ersten großen Updates im März haben mit einigen wichtigen neuen Funktionen schon gezeigt: Das Feedback kommt an und der Fokus liegt auf Funktionen, die für den Unterricht wichtig sind. Es bleibt also spannend, die Entwicklung von TaskCards zu verfolgen.
Youtube-Tutorial und Kurzinterview mit dem TaskCards-Team
Neue Tafel-Vorlage von TaskCards – vorgestellt bei Youtube
[…] Alternative zu Padlet? TaskCards – neue digitale Pinnwand (DSGVO-konform) / unterrichten. digital. Lernen mit digitalen Medien, vom 8.3.2021. Online […]
Naja, ob es datenschutzrechtlich unbedenklicher ist, die Inhalte von Youtube in TaskCards einzubinden anstatt in padlet wage ich mal in Frage zu stellen. Aber wir können natürlich das padlet zum Datenkraken stilisieren und weiter Youtube videos sharen und schauen. Das ist so ein so ein bisschen wie wenn das Finanzamt bei den Normalbürgern genauer hinschaut und Cum-Ex laufen lässt.
Aus meiner Sicht auch nur wieder ein Beweis mehr, dass Digitaliserung in der Schule nicht an den Lehrern und Rektoren scheitert sondern am Staat. Der macht lieber sinnvolle Lösungen madig macht anstatt alternative Lösungen anzubieten. Mehrfach erlebt während der Corona Pandemie.
Sie sollten unbedingt netboard.me ausprobieren.
Es unterstützt Deutsch, hat seinen Sitz in Europa und speichert alle Daten in der EU. Es wird gemeinhin als eine der besten Padlet-Alternativen bezeichnet.