Die Online-Anwendung Padlet ist vom Grundprinzip her eine digitale Pinnwand, auf der Texte, Bilder, Videos, Links, Sprachaufnahmen und Zeichnungen abgelegt sowie sämtliche Materialien kommentiert, bewertet und verschoben werden können. Dafür bietet Padlet verschiedene Vorlagen an, um in die kooperative Arbeit zu starten. Von der klassischen Pinnwand über Bücherregale, Chat-ähnliche Umgebungen, Landkarten bis hin zur Zeitleiste – Inhalte können ganz unterschiedlich strukturiert und gemeinsam bearbeitet werden.

Vor allem die Offenheit von Padlet macht einen der größten Vorteile aus. Während sich in einem Lernmanagementsystem wie der Bildungscloud bislang nicht einmal direkte Verlinkungen setzen lassen, sind (Internet-)Referenzen elementarer Bestandteil von Padlet. Prinzipiell können Inhalte jeglicher Art eingebunden und verlinkt werden, viele Einzelbausteine ergeben dann ein inhaltliches Gesamtbild.

Padlet im Unterricht
Padlet-Benutzeroberfläche auf unterschiedlichen Geräten (Padlet)

Schüler können einfach per QR-Code oder Link zum Bearbeiten eingeladen werden – ggf. auch ohne bei Padlet angemeldet zu sein. Jede Änderung kann dann von verschiedenen Geräten und ortsunabhängig live mitverfolgt werden, sodass der Inhalt immer auf dem neuesten Stand ist. Eine Klasse kann gleichzeitig an einer Pinnwand arbeiten, sie mit Inhalten füllen, die Einträge kommentieren und so in Echtzeit darüber diskutieren.

Padlet ist bisher unbekannt? In einem Youtube-Tutorial zu Padlet erkläre ich für interessierte Einsteiger alle Funktionen und viele Möglichkeiten im Unterricht.

Zugleich können die erarbeiteten Ergebnisse sowohl privat und passwortgeschützt als auch schulweit oder gänzlich öffentlich zur Verfügung gestellt und mit anderen Internetnutzern geteilt werden. Letztlich kann aus einem Kurspadlet ein kleines Lernmanagementsystem entstehen, das von der Themenauswahl, Aufgabenstellung über das Klären und Diskutieren von Fragen, die Ergebnispräsentation bis hin zum Feedback alle wesentlichen Schritte komplexer Lehr-Lernprozesse (natürlich mit kleineren Einschränkungen) abbilden kann. Auch darin liegt das große Potential für Unterrichtsentwicklung und natürlich auch für Hybridkonzepte im Corona-Jahr 2020.

10 erste Planungsoptionen für Padlet im Unterricht

Aus den Möglichkeiten zur ortsunabhängigen Zusammenarbeit in Echtzeit entstehen völlig neue und vielfältige Einsatzmöglichkeiten für den Unterricht. Vor allem das Sammeln, Verarbeiten und Vergleichen von Inhalten wird vereinfacht, Padlet kann aber auch zu einem eigenen kleinen Lernmanagementsystem für Kurse und Klassen ausgebaut werden. Hier im Überblick nur einige wenige der möglichen Planungsfunktionen von Padlet für den Unterricht – einfach spontan zusammengefasst:

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20 Beispiele für den Einsatz der Padlet-Vorlagen

Padlet bietet verschiedene Vorlagen, die jeweils ihre ganz eigenen Zugänge und Vorteile für spezifische Nutzung im Unterricht bieten. Daher sollen in der folgenden Übersicht unterschiedlichste Beispiele für einige der am häufigsten genutzten Vorlagen die Anwendungsmöglichkeiten von Padlet verdeutlichen – jeweils unterlegt mit kurzen Begleitkommentaren meiner Kolleginnen und Kollegen, die sie im Unterricht an meiner Schule eingesetzt haben, und hier freundlicherweise zur Verfügung stellen.

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Padlet-Vorlagen in der Übersicht: Vor dem Erstellen eines Padlets muss zunächst eine Vorlage ausgewählt werden, auf der dann gearbeitet werden kann (Padlet)

Regal – Vorlage

Beispiel 1 – Kommentar der Lehrperson (Mathe / Physik):

Padlets mit dieser Vorlage ermöglichen eine kollaborative Ergebnissicherung von arbeitsteiligen Aufträgen. In diesem Beispiel wurden aus einer Aufgabensammlung von Zweierteams Aufgaben gewählt. Diese haben dann kollaborativ (durch das Teilen eines Padlets) die Ergebnisse in einem selbstgestalteten Padlet zusammengetragen und zu einer bestimmten Frist den anderen auf dem Ergebnissicherungspadlet zur Verfügung gestellt. Im Anschluss hatten die Schüler den Auftrag, sich einige Ergebnisse anzuschauen, die Bearbeitung der Aufgaben zu begutachten und Rückfragen zu stellen. Dies ermöglicht also eine sehr elegante Variante von Peer-Feedback.

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Beispiel 2 – Kommentar der Lehrperson (Deutsch):

Das Padlet ist im Deutschunterricht einer 9. Klasse entstanden. In der Sequenz ging es inhaltlich um Sprachwandlungsprozesse, hier am Beispiel Jugendsprache. Methodischer Schwerpunkt war die Sachtextanalyse.

Nach einer Einarbeitungsphase in die Thematik waren gemeinsam Kategorien aufgestellt worden, nach denen das Sprachphänomen untersucht werden kann (Merkmale, Entstehungsgründe und Funktion, Einflüsse, aktuelle Beispiele, Jugendworte 2010-2019 und Definition). Anhand dieser wurde das Padlet von der Lehrkraft angelegt, so dass in der Folgestunde gezielt kriterienorientiert mit Tablets recherchiert und kollaborativ gearbeitet werden konnte. Die SchülerInnen waren angehalten, nicht nur selbst etwas zu posten, sondern gleichermaßen die Einträge der MitschülerInnen zu lesen und evtl. zu kommentieren.

In der Hausaufgabe zur Folgestunde sollte ein informierender Sachtext zum Thema „Jugendsprache“ im Umfang von 400 Wörtern erstellt werden; die SchülerInnen hatten von zu Hause aus Zugriff auf das Unterrichtsergebnis. Eine abschließende Methodenreflexion ergab, dass die SchülerInnen das Vorgehen als äußerst zielführend und aktivierend bewerteten.

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Beispiel 3 – Kommentar der Lehrperson (Mathe / Physik):

Im Mathe- und Physikunterricht können Padlets auf vielfältige Weise genutzt werden – die Einsatzart ist sicherlich auch auf andere Fächer übertragbar. Beispielsweise ermöglicht dieses Padlet die Sammlung und kollaborative Diskussion/Kommentierung von geposteten Ergebnissen für Aufgaben und Teilaufgaben mit offener Aufgabenstellung. Somit ist Peer-Feedback sehr gut möglich.

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Beispiel 4: Kommentar der Lehrperson (Deutsch):

Das Beispiel „#9bilkreativ“ ist zu Beginn der coronabedingten Schulschließung im Fach Deutsch entstanden. Im Vorfeld hatte man sich gerade noch auf die Lektüre „Tschick“ von Wolfgang Herrndorf geeinigt. Den SchülerInnen wurde – lektürebegleitend – ein Pool an handlungsorientierten Wahlaufgaben zur Verfügung gestellt (z.B. eine Wortwolke zu den Charaktereigenschaften einer Figur erstellen, Text-/Bildcollagen, ein Chatverlauf zwischen zwei Figuren). Zur Methodenschulung wurde den SchülerInnen aufgegeben, alle Produkte in digitaler Form zu erstellen. Als besonders fruchtbar hat sich letztlich das gegenseitige Peer-Feedback erwiesen: Jedes Produkt wurde mindestens zweimal gewürdigt, das Textverständnis wurde intensiviert und die Lehrkraft ein wenig entlastet.

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Beispiele 5 und 6 – Kommentar der Lehrperson (Kunst):

Bei individualisierten Lern- und Arbeitsprozessen im Kunstunterricht in der Schule sind gegenseitige Hilfe und Feedback genauso wichtig, wie die Möglichkeit, einen neugierigen Blick auf die Arbeitsschritte und Lösungsansätze der anderen zu werfen und sich austauschen zu können. Diese Padlets sind ein Versuch, den Schüler*innen einer 7. und 8. Klasse auch im Homeschooling genau diese Möglichkeiten zu bieten. Die Schüler*innen arbeiten im eigenen Rhythmus, posten Fotos ihrer Arbeitsschritte in ihren eigenen Spalten des Regal-Padlets, stöbern, stellen Fragen und geben sich Hilfe.

  • Padlet Kunst Unterricht
  • Padlet Kunst Unterricht
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Beispiel 7 – Kommentar der Lehrperson (Kunst):

Die Idealstadt im digitalen Durcheinander – zusammen arbeiten mit 1,5m Abstand“: Dieses Padlet ist ein Versuch, das Lernen und Arbeiten eines Q1-Kunstkurses mit 22 Schüler*innen im Präsenzunterricht zu unterstützen; es wird parallel in zwei benachbarten Räumen unterrichtet: je 10 und 10 Schüler*innen, die sich an großen Tischen in Paaren (2er-Gruppen) mit etwa gleichem Lern- und Arbeitstempo gegenüber sitzen (sowie zwei Schüler*innen, die weiterhin zu Hause lernen). Voraussetzung hierfür sind mobile Endgeräte (am besten Tablets oder Notebooks). Die Schüler*innen nutzen das Padlet als klassische Pinnwand für Ergebnisse in ihrer eigenen Gruppen-Spalte des Regal-Padlets, finden Aufgabenstellungen und Infos in speziellen Spalten des Regals und nutzen weitere, praktische Tools für Feedback, Austausch und gemeinsame Textbearbeitung (Wooclap, Google Docs etc.). Die Aufgaben sind als aufeinander aufbauende Schritte gestellt, um individuellen Lern- und Arbeitsrhythmen gerecht zu werden.

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Beispiel 8 – Kommentar der Lehrperson (Deutsch):

Im Prinzip gibt es für jede Stunde/Woche eine Spalte. Für das Thema Rechtschreibung lassen sich zahlreiche Online-Übungen finden, besipielsweise bei Learning-Apps. Diese können als Einstieg oder als Festigung in die Unterrichtsstruktur eingebaut werden. Die Spalte ganz links dienst als Chatraum. Wöchentliche Chats werden in einem jeweils eigenen Post angekündigt, das Kommentarfeld rechts unten in jedem Post dient als Chatfenster. In der zwei Spalte gibt es für jeden Kursteilnehmer ein „Ergebnisfeld“. Dafür wurde zunächst für jeden ein eigenes Padlet angelegt, das in einem einzelnen Post verlinkt wurde. Die Zugriffsrechte wurden so bestimmt, dass nur ein einzelner Kursteilnehmer und die Lehrkraft auf das Ergebnispadlet zugreifen kann. Dadurch wird sichergestellt, dass die Ergebnisse nicht von anderen eingesehen werden können.

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Beispiel 9 – Kommentar der Lehrperson (Deutsch):

Auf der Grundlage des Padlets wurde mit einem Deutsch-eA-Kurs des Jahrgangs 12 während der Phase des „Lernens zu Hause“ eine Einstiegsstunde in Franz Kafkas Erzählung „Die Verwandlung“ durchgeführt – bevor die Schülerinnen und Schüler im Anschluss an diese Stunde dann die Erzählung überhaupt erst gelesen haben. Die Stunde verfolgte entsprechend die Zielsetzung, die Schülerinnen und Schüler für Spezifika des Kafkaschen Textes zu sensibilisieren, um sie mit bestimmten Vorerwartungen und Fragestellungen zu einer zielgerichteten Lektüre der gesamten Erzählung anzuleiten.

Die Schülerinnen und Schüler hatten in der vorangegangenen Doppelstunde eigene Erzählanfänge zu Kafkas Titel und dem berühmten ersten Satz seiner Erzählung („Als Gregor Samsa eines Morgens aus unruhigen Träumen erwachte, fand er sich in seinem Bett zu einem ungeheueren Ungeziefer verwandelt.“) gestaltet, die sie in dieser Stunde den Kursmitgliedern auf dem Padlet zur Verfügung stellen, wechselseitig ihre Ergebnisse kommentieren und diese unter von der Lehrkraft vorgegebenen Fragestellungen miteinander vergleichen sollten. Am Ende stand die Auseinandersetzung mit Kafkas Erzählanfang, zu dem die Kursmitglieder vor dem Hintergrund der selbst verfassten Anfänge erste Eindrücke gesammelt und Fragen zum Fortgang der Erzählung formuliert haben.

Die Vorteile des Einsatzes von Padlet liegen in dieser Stunde darin, dass alle Schülerinnen und Schüler alle Unterrichtsschritte aktiv durchlaufen und dabei ihr eigenes Tempo wählen können, vom Peer-Feedback sowie von der gezielten Impulsgebung der Lehrkraft profitieren und dieses asychron-kollaborative Arbeiten einen besonders hohen Grad der Auseinandersetzung mit den Texten befördert hat.

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Leinwand – Vorlage

Beispiel 1: Kommentar der Lehrperson (Spanisch)

Zu Beginn der Corona-Zeit entwickelte ich gemeinsam mit den Schülern Ideen für die nächsten Wochen und mögliche Arbeitsaufträge. Daraus entstand das Konzept von Mini-Blogs – sei es als Tagebuch, als Kommentar zur Situation oder als lose Sammlung unterschiedlichster Themen und Anmerkungen – zur Dokumentation dieser denkwürdigen Zeit. Dazu nutzte ich die instant-blogging-Plattform Telegraph – auch beschrieben in einem Telegraph-Tutorial mit Erklärvideo hier im Blog. Zusammengefasst wurden die Arbeitsaufträge, Hinweise und vor allem die späteren Lernprodukte in einem Padlet. Nach Veröffentlichung der Blogs nutzten die Schüler die Gelegenheit, untereinander ihre Blogs zu lesen, zu bewerten und zu kommentieren. Es entstand ein reger Austausch und vor allem durch peer-review: viel positives Feedback und Würdigung der Ergebnisse.

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Beispiel 2 – Weitere Nutzungsmöglichkeit:

Nach der Lektüre einer Kurzgeschichte zu einem Mordfall erhielten die Schüler im Spanischunterricht die Aufgabe, eine dazu passende Zeitungsmeldung für eine Internetredaktion zu verfassen. Die Schüler nutzten auch hier die Möglichkeiten von Telegraph, um neben der Meldung auch passende Bilder einzufügen und zur Illustration des Geschehens zu nutzen.

Nach Fertigstellung ihrer Pressemeldung und Veröffentlichung ihres Mikro-Blogs fügten die Schüler ihren Beitrag in einem offenen Canvas-Padlet, das für diese Stunde vorbereitet worden war, ein. In einer Lesephase informierten sie sich nun über die Texte der anderen Schüler und konnten Likes sowie Kommentare hinterlassen. Das Format des Padlets ermöglichte in der Folge die weitere Textüberarbeitung und den Austausch über die unterschiedlichen Ideen und Ansätze.

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Beispiel 3 – Kommentar der Lehrperson (Mathe / Physik):

Padlets (Typ „Leinwand“ mit „Verknüpfungen“) bieten eine gute Möglichkeit, sich über ein Themengebiet (hier „Vollständige Funktionsuntersuchung“) einen Überblick zu erstellen. Dies kann zu Beginn als Brainstorming des Vorwissens starten und im Laufe der Unterrichtsreihe ergänzt werden oder man nutzt es als Abschluss einer Themenreihe in einer Art Concept-Map, um die Thematik zusammenzufassen. Dabei kann sich ggf. jeder Schüler einzeln eine Übersicht erstellen oder aber kollaborativ an einer gemeinsamen Map gearbeitet werden. Ein großer Vorteil besteht darin, in einer Padlet-Concept-Map verschiedenste Medien wie Erklärvideos, Fotos von eigenen Aufzeichnungen oder Internetlinks und Fotos integrieren zu können und die Posts farblich zu gruppieren. Zudem können Materialien in einem nächsten Schritt hinsichtlich ihrer Qualität „bewertet“ oder durch die Kommentarfunktion ggf. auf Ergänzungen, Fehler o.ä. aufmerksam gemacht werden.

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Beispiel 4 – Weitere Nutzungsmöglichkeit:

Padlets (Typ „Leinwand“) ermöglichen sehr komfortabel die Materialien eines Themas (digitale Stunde) zusammenzustellen, anzuordnen und farblich zu gruppieren. Besonders angenehm ist, dass Schülern eine weitgehend geschlossene Lernumgebung geboten wird, da z.B. LearningsApps als iframe eingebunden werden können und Youtube-Videos innerhalb des Padlet abgespielt werden und so direkt Sehaufträge zu den Videos ergänzt werden können. Gerade bei jüngeren Schülern wird so verhindert, dass sie sich z.B. bei Youtube oder anderen Websites „verlieren“ oder mit Werbung bombardiert werden.

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Beispiel 5 – weitere Nutzungsmöglichkeit:

Padlets können in dem Leinwand-Format auch als Auftrags-Strukturvorlage dienen. Die Schüler können davon einen „Klon“ herstellen und darauf ihre eigenen Ergebnisse posten (sofern sie über die Schule ebenfalls einen Padletzugang haben). Damit müssen Padlets nicht zwangsweise immer Gruppenkollaboration darstellen. Durch das Hinzufügen als Mitglied (aber auch über die Zusendung des Padlet-Links möglich) in das Ergebnispadlet hat man als Lehrkraft Einblick in die Bearbeitung und kann ggf. auch darauf ein persönliches Feedback posten.

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Beispiel 6 – Kommentar der Lehrperson (Deutsch):

Das war mein erstes Padlet. Links findet sich Material als Link (in diesem Fall ein Artikel in der lokalen Tageszeitung über ein Theaterstück). In der Mitte befindet sich die Aufgabenstellung, rechts gibt es Hilfen, in diesem Fall das Format der Tabelle als Word-Datei, in die die Lösung eingetragen werden soll. Die Einstellung bei Padlet für dieses Design nennt sich „Leinwand“. Sehr praktisch ist dabei, dass die einzelnen Posts mit Pfeilen verbunden werden können. Ein Nachteil ergibt sich, wenn Schülerinnen und Schüler das Padlet mit dem Smartphone abrufen, denn man sieht dann immer nur einen kleinen Ausschnitt aus der Gesamtleinwand, das kann unübersichtlich sein.

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Beispiel 7 – Kommentar der Lehrperson (Biologie):

Für das Fach Biologie wurde hier die Grundstruktur „Leinwand“ benutzt, die Anordnung erfolgt aber dennoch in flexiblen Spalten, die durch die Anordnung der Posts angelegt werden. Dies ist besonders geeignet für Themen, in denen mehrere Materialien für eine Aufgabenstellung benutzt werden. Die Links zum Material werden hier mit Pfeilen mit der Aufgabenstellung verbunden. Außerdem gibt es für jeden Kursteilnehmer ein „Ergebnisfeld“. Dafür wurde zunächst für jeden ein eigenes Padlet angelegt, das in einem einzelnen Post verlinkt wurde. Die Zugriffsrechte wurden so bestimmt, dass nur ein einzelner Kursteilnehmer und die Lehrkraft auf das Ergebnispadlet zugreifen kann. Dadurch wird sichergestellt, dass die Ergebnisse nicht von anderen eingesehen werden können.

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Beispiel 8 – Kommentar der Lehrperson (Biologie):

Dieser Screenshot zeigt ebenfalls das Biopadlet mit der oben beschriebenen Struktur. In diesem Ausschnitt ist die Materialauswahl besonders abwechslungsreich (Film, Buch, Arbeitsblatt und Forschungsartikel), das ist ein schönes Beispiel für die Flexibilität von Padlet. Die optisch ansprechende Darstellung und die Variabilität in den Medien kann die Motivation der Schülerinnen und Schüler sehr positiv beeinflussen.

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Landkarte – Vorlage

Beispiel 1 – Kommentar der Lehrperson (Englisch):

In dem hier gezeigten Beispiel erarbeiten Schüler eine Rundreise durch die USA – mit Texten, Videos und Websites zu den jeweiligen Zielorten. Vorteilhaft dabei ist, dass sich bei Klicken auf den Plus-Button eine Ortssuche öffnet und die Beiträge automatisch in der Karte den korrekten Städten zugeordnet werden. Das macht die Erarbeitung bspw. von Tourenplanungen unglaublich einfach.

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Beispiel 2 – Kommentar der Lehrperson (Erdkunde):

Das Layout diente hier (Erdkundeunterricht, 10. Klasse) als Organizer für eine Gruppenarbeit zum Naturraum in Indien. Anhand der drei Stationen Mumbay, Hyderabad und Cherrapunji (von der Lehrkraft im Vorfeld über Ortsmarkierung-Pins eingerichtet), wurden von den SchülerInnen Zusammenhänge zwischen Klima, Relief und landwirtschaftlicher Nutzung erarbeitet und dargestellt: Klimadiagramme, Karten, Links etc. konnten direkt an der jeweiligen Ortsmarkierung hinzugefügt und für den anschließenden Vortrag genutzt werden. Als etwas hinderlich hat es sich erwiesen, dass jeder Ortsmarkierung nur ein Material hinzugefügt werden kann, so dass die SchülerInnen gezwungen waren, jeweils mehrere Pins an nahezu einer Stelle zu erzeugen.

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Zeitleiste – Vorlage

Beispiel 1 – Kommentar der Lehrperson (Mathe / Physik):

Ein Padlet (Typ „Timeline“) kann der Lerngruppe dabei helfen, eine chronologische Übersicht zu behalten, welche Inhalte in der Themenreihe erarbeitet wurde und ggfs. welche Abgaben dazu gefordert waren bzw. sind. Dies kann für die Arbeitsorganisation aber auch für die Wiederholung vor einer anstehenden Leistungsüberprüfung hilfreich sein. Als Lehrkraft hat man die Möglichkeit einzelne Themenpadlets („digitale Stunden“) schon vorzubereiten und dann für die Lerngruppe zum passenden Zeitpunkt für die Bearbeitung zu veröffentlichen.

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Beispiel 2 – Kommentar der Lehrperson (Geschichte):

Das folgende Beispiel zeigt ein Padlet als Zeitleiste. Diese Vorlage findet wohl vor allem im Geschichts- und Politikunterricht Verwendung, kann allerdings genauso gut bspw. als Lerntagebuch, zur Erarbeitung einer literarischen oder filmischen Handlung und vielem mehr eingesetzt werden. Hier sind die Schüler gerade dabei, den Prozess vom Mauerfall zur Wiedervereinigung Ost- und Westdeutschlands gemeinsam in einer Kleingruppe zu erarbeiten.

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4 Beispiele für Schul- und Unterrichtsorganisation unter Corona-Bedingungen

Organisation von Mini-Fortbildungen mit Padlet

Da Padlet im Grunde wie ein Lernmanagement-System betrieben werden kann, bietet es sich natürlich auch für Fortbildungen im Erwachsenenbereich an.

Nach dem Flipped-Classroom-Prinzip lassen sich Fortbildungen in einem Padlet so anlegen,

    • dass vorbereitende Instruktionen bspw. mit Erklärvideos und Texten,
    • das Stellen von Fragen im Vorfeld der Fortbildung zwecks zielgerichteter Vorbereitung,
    • das Üben möglicher Anwendungsbeispiele zum Vertiefen
    • sowie anschließendes Feedback
    • und Bereitstellen eigener Lernprodukte

problemlos möglich sind. Am Theodor-Heuss-Gymnasium Göttingen hat sich dieses Fortbildungsprinzip, das auch in einem Youtube-Tutorial am Beispiel einer Flipped-Classroom-Fortbildung genauer erläutert wird, bewährt.

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Wochenplan-Arbeit mit Padlet

Auch der klassische und altbekannte Wochenplan kann mit Padlet – jetzt aber deutlich verändert als kollaborativ, kreativ und an individuellen Interessen ausgerichtete, ständig anpassbare Planungsgrundlage – schülerorientiert gestaltet werden. So kann die Lehrperson einen Wochenplan gestalten, diesen aber zunächst zur Diskussion stellen, ggf. Änderungen vornehmen oder Erweiterungswünsche und Vorschläge der Schüler aufnehmen. Schülerfeedback zu den Arbeitsaufträgen ergänzt die Erarbeitung und schafft den Rahmen für einen Schüler-Lehrer-Austausch. Für mich ein wichtiges Element der letzten Wochen: Einbezug der Schüler in die Planung von Lernprozessen. Mit Padlet sehr einfach und kreativ möglich.

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Startplattform für Klassen – gemeinsame Wochen-/Stundenplanung von SuS und Lehrpersonen

Zu dem Aspekt der größeren Eigenverantwortlichkeit der Schüler im Fernunterricht gehört auch diese Möglichkeit, Padlet zu nutzen. Aus eigener Initiative erstellten die Schüler meiner Klasse einen virtuellen Stundenplan in Padlet, zu dem sie das Klassenkollegium einluden. Die Vielfalt an Unterrichtsformaten – IServ, Padlet, Mentimeter, Videokonferenzen, … – war so groß geworden, dass die Schüler ab jetzt alle Aktivitäten in einem Padlet-Plan zusammenstellten. Ein Prinzip, das wunderbar funktioniert und das große Vorteile hat:

    • Videokonferenzen lassen sich direkt verlinken
    • Aus dem Stundenplan-Padlet gelangen die Schüler direkt in die jeweiligen Kurs-Padlets
    • Geplante Aktivitäten können kurzfristig besprochen und ggf. geändert werden
    • Bei Änderungen erhalten alle Beteiligten – falls gewünscht – einen automatischen Hinweis
    • Es entsteht ein sowohl offener als auch übersichtlicher und verbindlicher Unterrichtsplan
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Padlet als Support-Forum für Kolleginnen und Kollegen

Auch für den Support des Kollegiums lassen sich Padlets gut nutzen. Bei uns bspw. zur zentralen Organisation und Absprache von Fortbildungen, aber auch für schnelle Fragen zwischendurch, deren Beantwortung dann aber für das ganze Kollegium einsehbar ist. So haben wir bspw. eine „Startplattform Mini-Fortbildungen“ für das Kollegium eröffnet, auf der

    • sämtliche Fortbildungsaktivitäten gebündelt werden,
    • Themenwünsche geäußert und abgestimmt werden können,
    • zentrale Fragen gestellt werden können,
    • aktuelle Mini-Fortbildungen (jeweils mit eigenem Fortbildungspadlet) verlinkt sind,
    • frühere Mini-Fortbildungen (jeweils mit eigenem Fortbildungspadlet) abrufbar sind
    • und Feedback und Kommentare zu Fortbildungen gegeben werden können.
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Aber natürlich können über eine Padlet auch Informationen für das Kollegium gesammelt und zur Verfügung gestellt werden. Bei uns sind das häufig themenspezifische Padlets, die dann in IServ oder auf dem „Startplattform Mini-Fortbildungen“-Padlet verlinkt sind – wie z.B. das hier aufgeführt Padlet zum Flipped-Classroom-Prinzip, das auch von Lehrpersonen aus ganz Deutschland (nach Veröffentlichung im #twitterlehrerzimmer) ergänzt wurde.

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Ein großes Dankeschön geht an meine Kolleginnen und Kollegen vom Theodor-Heuss-Gymnasium Göttingen, die sich mit eigenen Beispielen an diesem Beitrag beteiligt haben, um ein möglichst breitgefächertes Bild von Padlet zu ermöglichen: Wiebke Hoheisel, Michaela Kreft, Tanja Meyfarth, Sebastian Stehlik, Christian Tegelkamp.


Youtube-Tutorial zu Padlet

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