Auch auf der didacta 2025 drehte sich (fast) alles um das Top-Thema, das momentan alle beschäftigt: Überall KI – welche neuen Tools am besten korrigieren, wie KI-Feedback funktioniert, wo KI uns die Stundenplanung abnehmen kann und wie nun auch Lehrwerke mit KI erschlossen werden können. Das sind alles spannende Aspekte – und nicht zuletzt ich arbeite gemeinsam mit vielen Kolleginnen und Kollegen intensiv daran, technologische Möglichkeiten und didaktische Fragen zusammenzubringen.

Was sich aber vor allem zeigt: Hier hat ein echter Shift stattgefunden, jetzt wollen alle ins Thema KI rein und den Hype mitgestalten bzw. davon profitieren. Das ist spannend, stimmt aber auch nachdenklich: Natürlich geht es auf einer Messe primär um Tools, Produkte und neueste Versionen, aber auch in (Anbieter-)Vorträgen & Workshops standen kaum die Tiefenstrukturen von Lernen, Unterricht und echter Unterrichtsentwicklung und damit die Frage im Vordergrund:

    • Wie stellen wir uns Lernen & Unterricht unter KI-Bedingungen vor?
    • Wie kann KI (bestehende) pädagogisch-didaktische Ziele & Ideale unterstützen?
    • Wie können wir fördern, dass KI uns in unserer Autonomie und Selbstwirksamkeit unterstützt und nicht andersherum – dass wir das Heft des Handelns (AI Leadership) in der Hand behalten?

Diese Beobachtung liegt sicherlich auch am frühen Zeitpunkt und der Tatsache, dass erst mit ChatGPT und damit seit 2,5 Jahren die „KI-Welle“ rollt. In meinen Fortbildungen merke ich bei Vorträgen und Workshops im Rahmen von Pädagogischen Tagen, Regionalen Fortbildungen oder SchiLfs, genauso wie bei Vorträgen vor ganz anderem Publikum (Wirtschaft, Politik), wie sehr die Schere auseinandergeht. Die wenigen erfahrenen Lehrkräfte (die auch oft in Social Media unterwegs sind) treffen dann z.B. auf der didacta auf die große Zahl der Kolleginnen und Kollegen, die bisher kaum bis gar keine Berührungspunkte mit KI haben – nun aber den blinkenden Verheißungen der KI-Welt ausgesetzt sind – und ich merke: Systematische (Konzept-)Arbeit und Fortbildung sind notwendiger denn je. Und hier geht es weniger um ausgefeilte Konzepte, sondern vielmehr um Einstieg und Dranbleiben, dazu zu befähigen, den Prozess auf der technischen, gesellschaftlichen genauso wie individuellen und fachlichen Ebene kritisch verfolgen zu können.

Zwei Schritte vor, einen zurück! Plädoyer für Reflexion und kritische Diskussion

Mein Plädoyer für „Zwei Schritte vor, einen zurück!“ bzgl. Unterrichtsentwicklung & KI sorgte in meinen Vorträgen für mobile.schule dann auch für Kopfnicken und nachdenkliche Stimmung. Die Gedanken zielen maßgeblich auf den Hype rund um neue Tools, die fast täglich erscheinen und immer neue Möglichkeiten versprechen. Aber warum spricht niemand mehr über grundlegende Unterrichtsentwicklung – z.B. die Planung von Blended Learning-Konzepten mithilfe von KI, die bereits in der Corona-Zeit in teils beeindruckender didaktischer Vielfalt entstanden – und damit die Frage, wo wir eigentlich mithilfe von KI hin wollen?

Oder liegt das nur am frühen Zeitpunkt und dem momentan priorisierten Sammeln erster Erfahrungen, das immer auch mit einer „Toolifizierung“ einhergeht? Wird deshalb KI (augenscheinlich) ausschließlich zum Stützen etablierter Unterrichtssettings verwendet? Erscheinen deshalb vorrangig Tools, die Lehrpersonen versprechen ihren Arbeitsalltag zu erleichtern, indem sie Unterrichtsvorbereitung und Korrektur an Maschinen auslagern?

Lernen und KI - vom Hype zur (kritischen) Didaktik - Poster & Material für Reflexion und Austausch mit 5 Dimensionen 2
Seit Corona zunehmend in Vergessenheit geraten – zumindest in schulischer Bildung – mit KI aber (noch) besser planbar: Blended Learning für offeneres Lernen (Hauke Pölert 2025)

Zwei Schritte vor…

Natürlich können auf generativer KI basierende Tools wie die hier nur beispielhaft genannten Plattformen

    • SlidesGPT, das als offene Website nach Themeneingabe sofort eine fertige Präsentation (mit Moderatornotizen) erstellt,
    • GammaAI, das anpassbare Präsentationen mit beeindruckender Optik sofort erstellt (mehr dazu im Blogbeitrag mit Youtube-Videos),
    • Infography, mit sich Blogs oder ganze Websites in grafisch gut visualisierte Infografiken zusammenfassen lassen,
    • NapkinAI, mit dem aus Texten mit einem Klick Grafiken erstellt werden können (mehr dazu im Blogbeitrag) oder auch
    • NotebookLM, das aus verschiedensten Materialien (Websites, PDFs, Bildern, Videos uvm.) Podcasts erstellt (mehr dazu im Blogbeitrag mit YouTube-Video),

auf faszinierende Weise schön anzusehende Ergebnisse produzieren. Aber im Kern sollte klar sein und klar bleiben: Lernprozesse zielen weniger auf das Ergebnis als auf den (Erarbeitungs- und Lern-)Prozess ab, beinhalten Übungs- und Wiederholungstätigkeiten, die für das Erlernen von Fähigkeiten und Fertigkeiten wichtig sind. Die schöne, automatisch erstellte Grafik von NapkinAI kaschiert im exemplarischen Fall einer zu erstellenden Zeitleiste im Geschichtsunterricht dann mehr schlecht als recht den Fakt, dass die zugrundliegenden historischen Zusammenhänge weder erfasst und im Optimalfall eingeordnet, noch eigenständig strukturiert und anschließend visualisiert worden sind. Im Extremfall (oder neuen Regelfall?) führt das zu Oberflächlichkeit, abnehmendem Orientierungswissen und dem Verlust der Fähigkeit zur mündigen Teilhabe. Aber dazu bald mehr im Blogbeitrag zu Deskilling, der in Vorbereitung ist…

Ganz anders im Bereich Feedback und Lernbegleitung. Hier können wir schon jetzt aktiv mit Prompts und Plattformen arbeiten, die im Lernprozess mit zielgerichtetem Feedback adressatengenau Hinweise geben, unterstützen und zugleich dabei helfen, den Unterricht (sowohl didaktisch als auch methodisch) weiterzuentwickeln. Das Gleiche gilt für Tutor-Prompts, mit deren Hilfe Schülerinnen und Schüler Unterstützung im Lernprozess erhalten und Materialien bspw. eigenständig(er) erschließen können, genauso wie sie natürlich mithilfe von KI einfache Lösungen generieren und damit jeglichen Lernprozess überspringen können (skill-skipping).

…einen Schritt zurück!

Dieses offensichtliche Problem zum alltäglichen Reflexions- und Diskussionsgegenstand zu machen, kann nur durch Experimentieren und gemeinsames Ausprobieren – und das beinhaltet die aktive Nutzung von KI-Tools – auf allen Ebenen schulischer Bildung gelingen. Dabei gehen insbesondere wir interessierten, erfahreneren Lehrkräfte und Fortbilder oft zwei Schritte vor und erproben eine Vielzahl an Tools, von denen nur wenige die „didaktische Reifeprüfung“ überstehen. Denn alle momentan erscheinenden KI-Tools bleiben natürlich die Antwort schuldig, die wir nur selber aushandeln und entwickeln können:

    • Welche Vorstellung von guter Bildung haben wir im Zeitalter von Digitalität und KI?
    • Welche Vorstellungen und Ziele haben wir mit Blick auf gelingendes Lernen und guten Unterricht unter diesen Bedingungen?
    • Welche Schwerpunkte, Leitlinien und Ziele verfolgen wir als Einzelschule und inwiefern kann uns KI dabei unterstützen?

Lernen und KI – 5 Dimensionen als Reflexionsgrundlage

Bei diesem Reflexionsprozess helfen uns wichtige Perspektiven wie die zunächst von mir seit 2022 genutzten zwei Dimensionen: Das Lernen mit KI, das immer auch zum Lernen über KI führt. Weitere wichtige Dimensionen hat Joscha Falck im Sommer 2023 in den „5 Dimensionen für Lernen und KI“ zusammengestellt und diese auch ausführlich kommentiert. In allen meinen Vorträgen und Fortbildungen bilden Teile der 5 Dimensionen die zentrale Perspektive für Schul- und Unterrichtsentwicklung, da sie unmittelbar eingängig sind und den Übergang von einer hype-geprägten Unterrichtsplanung hin zur kritischen Didaktik ermöglichen (wenn man sie ernst nimmt). Sowohl erfahrenen als auch unerfahrenen Lehrpersonen, genauso wie Eltern und Schülerinnen und Schülern, können sie als Reflexions- und Diskussionsgrundlage dienen. Denn der Einstieg in die KI-Welt ist neben dem Ausprobieren vor allem eines: Reflektieren und Reden.

Lernen und KI - vom Hype zur (kritischen) Didaktik - Poster & Material für Reflexion und Austausch mit 5 Dimensionen 3

Poster für Reflexion, Fortbildung, Planung und Verständnis

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Abschlussreflexion in einer Fortbildung – nach 5 Stunden intensiver Arbeit ein erster Austausch zur Frage: Wie wollen wir den Wandel (mit-)gestalten? – Ausgangspunkt für die Arbeit im Kollegium und im eigenen Unterricht (Hauke Pölert 2025)

Insbesondere für Pädagogische Tage und SchiLfs verwende ich inzwischen ein Poster, das ich auf Basis der 5 Dimensionen von Joscha erstellt habe. Auf verschiedenen Ebenen lässt es sich zur Planung genauso wie Reflexion nutzen, und das seitens aller beteiligten Gruppen:

    • Als Schulgemeinschaft z.B. im Rahmen eines Pädagogischen Tages zu der Frage, wie künftig die Chancen und Herausforderungen mit Blick auf „Lernen und KI“ angegangen und im Schulkonzept verankert werden sollen.
    • Als Fachschaft zu der Frage, wie „Lernen und KI“ das eigene Fach prägen wird, genauso aber auch, wie der Fachunterricht aktiv in Zeiten von KI entwickelt und geplant werden kann.
    • Als Lehrperson zur Klärung des eigenen Verständnisses von „Lernen und KI“, für die Planung von Unterricht (z.B. Sequenzen) genauso wie für die rückblickende Reflexion von Unterricht.
    • Spannend kann es auch sein, Schülerinnen und Schüler z.B. am Ende einer mehrstündigen Unterrichtssequenz und rückblickend auf ihre Erfahrungen und Einschätzungen mit dem Poster arbeiten zu lassen – denn gerade die Reflexion über „Lernen trotz KI“ und die Diskussion rund um „Lernen ohne KI“ können und sollten aus guten Gründen kontinuierlicher Teil des Unterrichts werden. Und ebenso spannend kann es sein, am Ende einer Unterrichtsreihe die eigene Poster-Reflexion mit den Einschätzungen des eigenen Kurses zu vergleichen…

Poster für die Arbeit als Schulgemeinschaft, Lehrperson oder für Schülerinnen und Schüler

Ich arbeite zumeist mit zwei Versionen des Posters, je nach beabsichtigter Nutzung und Planung:

    • Eine digitale Version, die ich in Canva bearbeiten und ausfüllen kann. Diese Version stelle ich weiter unten als Canva-Vorlage zur freien Nutzung bereit.
    • Eine Poster-Version mit größeren Textfeldern, die ich zumeist als DinA3 oder DinA2 ausdrucke (für größere Veranstaltungen auch DinA1), und mit der sich ganz unmittelbar als Tischvorlage arbeiten lässt.
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Poster für die Arbeit in Fachschaften / Fachkonferenzen

Dieser Postervorschlag kommt von meinem Kollegen Sebastian Stehlik, der die 5 Dimensionen stärker auf das Fach bezogen und damit eine Vorlage geschaffen hat, die sich insbesondere für das fachspezifische Arbeiten anbietet. Die Dimensionen sind als Fragen formuliert und laden damit noch etwas stärker zum offenen Nachdenken ein – natürlich sowohl als Fachschaft als auch als Fach-Lehrperson möglich.

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Praxisbeispiel: Geschichtsunterricht (Thema: 1933 – Von der Diktatur zur Demokratie)

In einem Praxisbeispiel zeige ich hier meinen eigenen Reflexionsprozess, der auch auf intensiven Gesprächen und Feedback-Runden mit meinem Geschichtskurs basiert – somit also sowohl meine als auch die Sicht der Schülerinnen und Schüler widerspiegelt. Am Beispiel des Jahres 1933 und dem politischen Prozess zwischen Januar und Juli 1933 verfolgte die Sequenz mithilfe unterschiedlicher Zugänge die Frage, wie aus einer Demokratie innerhalb kürzester Zeit eine totale Diktatur werden konnte. Im Zentrum der Reflexion stand hier zwar auch das bereits im Kurs etablierte Lernen mit und über KI, insbesondere aber die Frage danach, was ohne KI und eigenständig erarbeitet und gelernt werden sollte und warum Schülerinnen und Schüler im Geschichtsunterricht diese Zusammenhänge auch trotz KI weiterhin lernen (sollten).

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Insbesondere diese Gesamtreflexion am Beispiel des vorgestellten Themas aus dem Fach Geschichte werde ich in Kürze auch in einem YouTube-Video ausführlich erläutern und genauer auf die einzelnen Dimensionen / Aspekte eingehen.

Schon jetzt möchte ich aber dazu ermutigen, diese Reflexionsmöglichkeit immer wieder zu nutzen, im eigenen Kollegium zu streuen – denn jedes Gespräch über diese Fragen ist bereits eine kleine Mini-Fortbildung.

YouTube: Videokommentar zur Poster-Vorlage (Canva)

Wer möchte, kann noch kurz in das Video reinschauen, in dem ich die Idee des Posters erkläre und am Beispiel des Geschichtsunterrichts konkretisiere – ansonsten einfach weiter runter scrollen für die Canva-Vorlage.

Download: Poster-Paket als Canva-Vorlage

Hier könnt Ihr das Poster-Paket herunterladen und gerne weiterverwenden, anpassen und weiterentwickeln.

Wenn Ihr das Poster nutzt, würde ich mich sehr über Praxisbeispiele aus Eurer Schule oder von Euch selber freuen und diese auch – mit Eurer Erlaubnis natürlich – nach und nach hier posten. Das wäre sicher eine tolle Sammlung für die weniger erfahrenen Lehrpersonen unter uns! Also gerne Eure Bearbeitungen, Screenshots oder Fotos schicken!

Großer Dank geht natürlich wie immer an Joscha Falck für die Vorarbeit und das Bündeln der 5 Dimensionen, die uns alle beschäftigen!

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