Unabhängig von der eigenen Unterrichtserfahrung, der pädagogisch-didaktischen Flexibilität und der vorhandenen (digitalen) Lernumgebung machten im Jahr 2020 alle Lehrpersonen eine gemeinsame Erfahrung: Sie durften sich nochmal als NeueinsteigerInnen fühlen. Neu in einem Szenario, das bislang in Deutschland noch unbekannt war. Neu in einer Situation, auf die nur die wenigsten Lehrpersonen und ihre Schulen annähernd vorbereitet waren. Erfahrungsgeleitet zeichnet sich inzwischen ein erstes Bild von Ansätzen für Unterrichtsentwicklung, deren Umsetzung in der Praxis und deren pädagogisch-didaktischen Chancen und Grenzen.
Flexible Unterrichtsgestaltung im Corona-Jahr 2020
Im weiteren Verlauf der Pandemie und mit zunehmender (digitaler) Schulentwicklung sind Lehrerinnen und Lehrer gefordert, je nach Corona-Szenario Lehr-Lernprozesse für unterschiedlichste Lernumgebungen zu entwerfen:
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- Während viele Schulen inzwischen mit einem hybriden Plan arbeiten, der synchrone Unterrichtszeit im Klassenraum mit asynchronem Online-Lernen vermischt,
- (und andere noch hoffen, einfach nur beim altgewohnten Präsenzunterricht bleiben zu können)
- müssen wieder andere vollständig online in synchron-asynchron kombinierten Settings unterrichten oder
- gehen (wie in den USA zu beobachten) über zu einer Abwandlung des Hybrid-Konzepts, das angesichts der Forderung nach geteilten, kleineren Lerngruppen an Popularität gewinnt, aber auch ganz eigene Herausforderungen mit sich bringt: Concurrent classroom, ein Unterrichtskonzept mit Teilgruppen im Klassenraum und parallel zuhause (synchron zugeschaltet).
Doch zunächst ganz grundlegend:
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- In dem Blogbeitrag „Blended Learning – Grundlagen und Einführung“ habe ich das Prinzip der möglichst sinnvollen Mischung von Präsenz- und Online-Lernen vorgestellt,
- im Folge-Blogbeitrag „Blended Learning – Unterrichtsplanung in Präsenz-, Hybrid- und Onlineszenarien“ methodisch konkretisiert und
- im letzten Blogbeitrag „Blended Learning – vom Corona-Chaos zur kontinuierlichen Schul- und Unterrichtsentwicklung“ mit Blick auf Ansatzpunkte für Schulentwicklung und Unterrichtsentwicklung im Team fokussiert.
Hintergrund: Klar ist, dass zukünftig konsistent geplantes Blended Learning zur Selbstverständlichkeit werden wird – die gesellschaftliche Entwicklung und die damit einhergehende digitale Transformation im Bildungswesen (Push), aber genauso der Wunsch nach schülerorientierten, stärker auf individuelle Lernpfade abzielenden Lehr-Lernprozessen (Pull) bilden dafür einen stabilen Entwicklungsrahmen. Den Konzepten sollten jetzt aber schnell praxistaugliche Vorgehensweisen und Beispiele folgen, die über ein Corona-Notfallkonzept und schnell gestrickte, in der Praxis schwer zu etablierende Notfallmaßnahmen hinausgehen. Hier ein Vorschlag.
Von der Ausgangsanalyse zur pädagogisch-didaktischen Planung
Für alle diese Formen von Blended Learning, insbesondere aber für Online-Szenarien unter Corona-Bedingungen, sollte die didaktische Planung
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- Gelegenheiten für persönlichen und individuellen Kontakt, Unterstützung und Feedback zwischen LehrerInnen und SchülerInnen als einen Schwerpunkt berücksichtigen (das zeigen die Erfahrungen aus dem Frühjahr 2020),
- LehrerInnen von dem gefühlten Zwang befreien, permanent online präsent zu sein, Instruktionen und Informationen synchron zu präsentieren und/oder den Unterricht zentral zu strukturieren und anzuleiten (auch das zeigen die Erfahrungen),
- den SchülerInnen die Möglichkeit geben, neben der Themenauswahl auch die Lern- und Arbeitspfade sowie das Tempo, in dem sie Informationen verarbeiten und Aufgaben erledigen, mitzubestimmen. Je nach Erfahrung und Kompetenz der SchülerInnen ein Einstieg und/oder Entwicklungsweg hin zu (mehr) individualisiertem, selbstorganisiertem Lernen. Auf jeden Fall eine weit über Corona-Maßnahmen hinausreichende Entwicklungsperspektive mit klarer Zukunftsorientierung.
Aber zum eigentlichen Hintergrund meiner Überlegungen: Die bisher vorgestellten Blended-Learning-Modelle sind praktisch, um die enge Verzahnung von (Präsenz-)Unterricht und Online-Lernen zu erläutern – in Fortbildungen fehlt aber häufig das, wonach im zweiten Schritt alle Kolleginnen und Kollegen fragen:
Eine direkt in der Unterrichtspraxis anwendbare Methodik / Arbeitsvorlage,
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- die Schülerinnen und Schülern individuelle Lernpfade
- unter Nutzung aller Online- und Offline-Medien
- orts- und zeitunabhängig,
- jedoch prinzipiell in allen Unterrichtsformaten (Präsenz-/Hybrid-/Fernunterricht) gleichermaßen anwendbar,
- mit dem Fokus auf den Lernprozess
- und das anschließende Präsentieren und Teilen der Ergebnisse
klar strukturiert und leicht verständlich bietet sowie
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- den Lehrpersonen flexibel verfügbare Zeit und Phasen für individuelle Unterstützung und Feedback bietet – mehr als zuvor im angeleiteten Unterricht –
- und gerade weniger erfahrenen Lehrpersonen Lerneffekte in Bezug auf die Planung offener(er) Lernformate, deren Chancen und Grenzen, und deren Bewertung ermöglicht.
Zwei konkrete Varianten, die auf eine je nach Lerngruppe abgestimmte Arbeitsweise in Blended-Learning- oder Online-Szenarien abzielen, stelle ich hier (in Form eines sich mit zunehmender Praxiserfahrung weiterentwickelnden Werkstattberichtes) vor:
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- Die EEE-Methode (Eintauchen – Entdecken – Erklären) und die LPS-Methode (Learn – Present – Share) ermöglichen die konkrete und direkte Umsetzung der in den beiden vorherigen Blogbeiträgen noch allgemein vorgestellten Modelle und Konzepte.
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- Beide Methoden bauen auf dem Universal Design for Learning-Ansatz auf, mit dessen Hilfe sich individualisierte Lernwege auf einer einfachen Vorlage strukturiert planen lassen, der sich ideal mit Blended-Learning-Modellen kombinieren lässt und zudem zur Unterrichtsentwicklung im Team einlädt.
Beide Methoden erlauben eine flexibel ausgestaltete Planung, beginnend mit einer kritischen Reflexion der bereits vorgestellten Dimensionen des „didaktischen Schiebereglers“ als Planungsgrundlage für Blended Learning – je nach Lerngruppe, Thema und Szenario individuell ausgelegt.
Ein weiterer, auch bzgl. der Überlegungen zu den hier vorgeschlagenen Methoden interessanter Ansatz findet sich bei Bob Blume in seinem Blogbeitrag zu zeitgemäßem Lernen (vom 09.12.2019), in dem er basierend auf den Gedanken Lisa Rosas ein „Koordinatensystem: Zeitgemäßes Lernen“ entwirft. Dessen Dimensionen schlägt er als mögliche Grundlage für Selbstreflexion und Erweiterung des eigenen Unterrichts vor. Ein interessanter, die konkreten Dimensionen des Didaktischen Schiebereglers weiterführender Gedanke, der zum Nachdenken anregt.

EEE & LPS – Zwei Methoden für Blended Learning im Präsenz-, Hybrid- und Online-Unterricht
Für die diversen Unterrichtsszenarien hier zwei – mehr oder weniger komplexe und in der Vorbereitung unterschiedlich umfangreiche – Vorgehensweisen. Diese hat die US-Lehrerin, Bildungsberaterin und Bestseller-Autorin Dr. Catlin Tucker entwickelt und mir freundlicherweise zur Weiterbearbeitung überlassen. Natürlich bauen diese Methoden auf bereits bekannten Prinzipien und Methoden auf, gerade die LPS-Methode bietet aber in ihrer Neukombination
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- unter Rückgriff auf das volle Potential digitaler Medien und
- mittels flexibler Anordnung unterschiedlicher Phasen
- eine klare Struktur, die das Lernen entsprechend der Paradigmen des UDL-Ansatzes zugleich (bedarfsweise) öffnet und eingrenzt,
- und die auch weniger erfahrenen Lehrpersonen die Planung erleichtert.
EEE-Methode (Eintauchen – Entdecken – Erklären)
Für den Einstieg in die grundlegende Denk- und Planungsweise des Universal Design for Learning-Ansatzes eignet sich ein ganz niedrigschwelliger und geradezu simpler Ansatz. Eine besonders übersichtlich aufgebaute Variante für die schnelle, trotzdem aber auf individuellere Lernpfade abzielende Unterrichtsplanung ist die „EEE-Methode“: Nach Auswahl eines Themas (durch die Lehrperson oder gemeinsam mit den SchülerInnen und unter Berücksichtigung ihrer spezifischen Interessen) beginnt die Planung der möglichen Lernpfade. Diese werden durch die drei Lerndimensionen Eintauchen – Entdecken – Erklären strukturiert, die damit zugleich die geplante Progression abbilden.

Jeder Dimension sind drei (oder mehr) Aktivitäten zugeordnet, von denen die SchülerInnen jeweils eine aus jeder Spalte auswählen.
Schritt 1: Eintauchen
Im ersten Schritt erhalten die SchülerInnen Gelegenheit, zunächst sprichwörtlich in ein Thema einzutauchen. Gerade in Lernszenarien, die nicht auf den Klassenraum und ein 45-Minuten-Raster angewiesen sind, bietet diese Phase (anhand von bspw. Texten, Audios, Videos, Podcasts etc.) die Möglichkeit,
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- sich zunächst in ein Thema einzuarbeiten,
- je nach Auswahl unterschiedliche Zugänge zum Thema zu entdecken sowie
- das Medium und damit die Textsorte (ich lege hier den erweiterten Textbegriff zugrunde) für diese Phase zu bestimmen.
Schritt 2: Entdecken
Die hier zur Verfügung gestellten Aufträge und Auswahlmöglichkeiten sollten SchülerInnen dazu motivieren,
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- das Thema näher zu recherchieren,
- unterschiedliche Facetten zu untersuchen und zu entdecken
- und sich tiefer in die Materie einzuarbeiten.
Je nach Fach und Altersstufe könnten hier natürlich ganz unterschiedliche Zugänge gewählt werden. Hier könnten bspw. Interviews mit Freunden und Familie, Untersuchungen und Beobachtungen in der Natur, Konstruieren und Experimentieren mit Materialien zuhause (ein gern gewählter Zugang in der ersten Corona-Phase) oder auch das Nutzen von Social-Media-Kontakten weltweit uvm. in Frage kommen.
Schritt 3: Erklären
Abschließend erhalten die SchülerInnen drei unterschiedliche Möglichkeiten, die Ergebnisse ihres Lern- und Arbeitsprozesses zu präsentieren und zu teilen. Je nach Kenntnisstand der Lerngruppe und der Lehrperson könnten dies bspw. eine schriftliche Ausarbeitung oder – weiter gedacht – eine Mini-Forschungsarbeit sein, ein Erklärvideo, eine Concept-Map oder auch eine Multimedia-Präsentation uvm. an Präsentationsmöglichkeiten.
Hinweis: Je nach Altersstufe ist es empfehlenswert, auf bereits in der Lerngruppe eingeführte, einfach zu bedienende Apps und Anwendungen zurückzugreifen, um eine problemlose Erarbeitung zu ermöglichen. Andererseits kann aber auch gerade die Frage besonders geeigneter und bislang vielleicht in der Lerngruppe unbekannter Anwendungen eine große Chance darstellen – z.B. als App-Rechercheauftrag mit anschließendem Vergleich in kurzen Erklärvideos.

Die EEE-Methode ist ganz einfach und unkompliziert gehalten und damit ideal für die relativ schnelle und überblicksartig organisierte Planung. Eine komplexer aufgebaute, so interessante wie abwechslungsreiche und zugleich klar strukturierte Weiterentwicklung dieser Methode kann hier die „Chooce your own adventure“-Methode von Dr. Catlin Tucker sein – ich nenne sie einfach, orientiert an den wesentlichen Lernschritten, LPS-Methode:
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- Learn (-Process)
- Practice
- Share
Das Prinzip orientiert sich ganz offensichtlich am Think-Pair-Share-Prinzip, nun aber in der direkten Umsetzung für Blended-Learning-Szenarien. Neben dem individuellen und (im Rahmen der Möglichkeiten) individualisierten Lernen liegt der Fokus zudem darauf, die Ergebnisse zu präsentieren und mit den MitschülerInnen zu teilen (s. 4K-Modell).

Für diese Methode kann die von Catlin Tucker entwickelte und von mir lediglich angepasste Google Slide-Vorlage genutzt werden, die als digitale Lernstruktur dient und es ermöglicht, direkt per Klick auf die (Hyperlink-)Symbole den entsprechenden Aktivitäten zugeordnete Anwendungen und Vorlagen zu öffnen:
Phase 1: Lernen strukturieren
Die nach der Startfolie zweite Folie mit dem Titel „Wie möchtest Du lernen?“ gibt den SchülerInnen zunächst ganz grundlegend die Möglichkeit, sich für eine Informations- und Lernstrategie für den inhaltlichen Einstieg zu entscheiden. Je nach Lerngruppe und Erfahrung lässt sich hier natürlich auch offener arbeiten – Ansatzpunkte bietet bspw.
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- die eigenverantwortliche Auswahl passender Lernmaterialien durch die SchülerInnen oder auch
- die gemeinsame Auswahl durch Zusammentragen im Kursrahmen.
- Eine Variation wäre eine Vorauswahl hinterlegter Materialien durch die Lehrperson bei gleichzeitiger Freiheit für die SchülerInnen, passend ausgewählte eigene Materialien substituierend einzusetzen (zugleich ein guter Aspekt die Präsentation und Reflektion des eigenen Lernpfades).
Interessierte Lehrpersonen können sich über den obenstehenden Link einfach eine Kopie der offen verfügbaren Vorlage erstellen. In dieser Kopie lassen sich dann mit einem Klick auf „Ansicht“ und dann „Masterfolien“ die vorliegenden Folien bearbeiten. So lassen sich bspw. die Symbole jetzt als Hyperlinks mit hinterlegten Online-Materialien oder Dokumenten verlinken. Die SchülerInnen gelangen dann einfach per Klick auf das entsprechende Material.

Phase 2: Reflektieren und Verarbeiten
Die dritte Folie motiviert dazu, das eigene Lernen und den Erkenntnisgewinn der vorhergehenden Erarbeitung zu reflektieren. Einige vorformulierte Leitfragen, die sich auf den Lernprozess beziehen, können dabei hilfreich sein. Die SchülerInnen entscheiden sich dann in dieser Phase für eine mögliche Vertiefungsstrategie (hier bspw. Schreiben, Zeichnen oder Diskutieren).

Phase 3: Üben, Wiederholen und Vertiefen
Auf der vierten Folie erhalten die SchülerInnen unterschiedliche Möglichkeiten, die erarbeiteten Themen nochmal zu wiederholen, umzuwälzen, zu vertiefen. Je nach gewählter Aktivität (hier: ein Erklärvideo, eine erklärende Zusammenfassung, ein Lernkarten-Set) liegen dabei die Schwerpunkte eher auf dem Prinzip „Lernen durch Lehren“ oder eher inhaltsorientierter Wiederholung (Lernkarten). Damit werden unterschiedliche Lerntypen berücksichtigt – denn gerade in der ersten Corona-Phase zeigte sich klar, dass nicht alle SchülerInnen gut mit offenen Aufgabenformaten zurechtkommen und teilweise lieber strukturiert und auf inhaltliche Wiederholung (bspw. mit Lernkarten) fokussiert arbeiten.

Phase 4: Das eigene Lernen präsentieren
In dieser Phase öffnet sich das eher strukturierte Lernen der vorherigen Phasen hin zu einer breiten Auswahl an Möglichkeiten und Strategien, den eigenen Lernprozess und die eigenen inhaltlichen Schwerpunkte produktorientiert zu teilen.
Dabei liegt der Fokus gar nicht zwingend darauf, eine möglichst große Bandbreite an Tools oder Varianten zur Verfügung zu stellen. Aber es soll eben doch ein möglichst individueller Zugang ermöglicht werden, der allen SchülerInnen ermöglicht einen Weg zu wählen, der ihren Talenten und Möglichkeiten entspricht.
Die stärkere (kriteriale und standardisierte) Vergleichbarkeit tritt hier zugunsten individuellerer Zugänge zurück.

Aber auch das lässt sich natürlich beliebig (nach Interessen der Lerngruppe oder der Lehrperson, die am Ende Feedback auf die Lernprodukte gibt) variieren.

Phase 5: Beispiele aus dem Lernprozess zeigen
Auf der Abschlussfolie können die Schülerinnen ihren Arbeitsprozess mit Bildern, Videos, Texten oder anderen Beispielen illustrieren und so zugleich einen Einblick in Ihren Lern- und Arbeitsprozess ermöglichen. Ob diese Folie gewünscht oder passend ist, lässt sich individuell entscheiden.

Praxishinweise für unterschiedliche Szenarien
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- Synchroner (Online-)Unterricht: Sollte abhängig von Bundesland oder Schule eine bestimmte Zeitspanne synchroner Unterrichtsphasen vorgeschrieben sein, kann diese Methode natürlich auch in Videokonferenzen genutzt werden: Nachdem die SchülerInnen die Videokonferenz betreten haben, können sie ihre Mikrofone stummschalten / ggf. die Kameras deaktivieren und an ihrem Projekt bearbeiten. Während dieser Erarbeitungsphase können LehrerInnen sich mit einzelnen SchülerInnen in break-out-rooms treffen, um dort auf Fragen einzugehen, den Lernfortschritt zu besprechen oder Feedback zu abgegebenen Lernprodukten zu geben.

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- Flexible Bearbeitungszeit: Je nach Ausrichtung des Unterrichtsvorhabens und Szenario kann die Bearbeitung mehrere Tage oder auch Wochen dauern. Die inhaltliche Ausgestaltung bietet damit die Gelegenheit, die Arbeitsdauer flexibel auszutarieren. Eine mögliche Vorgehensweise stellt Bob Blume mit der 4+1-Methode in meinem Blogbeitrag zur Unterrichtsplanung von Blended Learning vor.
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- Gelegenheiten (touchpoints) für Einzelkontakte schaffen: Der Fokus liegt einerseits auf einer schülerorientierten und auf individuelle Lernwege abzielenden Planung, andererseits auf dem Ziel, Lehrpersonen möglichst viel Zeit und Gelegenheit für individuelle Kommunikation und Unterstützungsmöglichkeiten zu geben.
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- … (dieser Werkstattbericht wird laufend und mit zunehmender eigener Praxiserfahrung ergänzt)
(Meta-)Reflektion des Lernprozesses, der Methode und des Medieneinsatzes
Schülerinnen und Schüler
Ein wichtiges Element offener und/oder selbstorganisierter Methoden ist die (Meta-)Reflexion des eigenen Lernens und Arbeitens in Bezug auf die gewählte Vorgehensweise und die zur Verfügung stehenden Medien und Anwendungen.
SchülerInnen können auf diese Weise ein Bewusstsein für ihre eigenen Stärken und Schwächen im offen angelegten Lernprozess entwickeln und im Gespräch mit der Lehrperson hierzu Hilfestellungen und Strategien erhalten. Denn gerade offenes und selbstorganisiertes Arbeiten setzen Kompetenzen voraus, die häufig erst erlernt werden müssen und für viele SchülerInnen zunächst herausfordernd sind – dann aber große Freiheiten und Potential für interessengeleitetes Lernen bieten. Der klassische Unterricht im Schulraum und im festen 90-Minuten-Format nimmt SchülerInnen diese Herausforderung ab – zugunsten klarer Strukturiertheit und größerer Standardisierung, zulasten individueller Fähigkeiten, Interessen und Lernwege.
Reflektionsbögen (frei verfügbare Bögen lassen sich problemlos finden – oder selbst erstellen) können bei der Selbsteinschätzung unterstützen und – gerade im Fernunterricht – als Vorbereitung auf ein Feedback-Gespräch mit der Lehrperson dienen.
Lehrerinnen und Lehrer
Den eigenen Unterricht methodisch zu öffnen, stellt für viele Lehrpersonen eine große Herausforderung in Bezug auf die pädagogisch-didaktische Planung dar. Die hier vorgestellten Methoden können ein erster Schritt und beim Ausloten der Chancen und Grenzen offeneren Lernens in der jeweiligen Lerngruppe hilfreich sein. Dabei sollte auch die Planung offenerer Lehr-Lernformate systematisch und bewusst erfolgen und berücksichtigen, dass „Sprungevolution“ in Schulen immer schwierig ist (Jan Vedder) – und letztlich auf beiden Seiten auch zu Überforderung und Frustration führen kann. Dass andererseits ein nur organisatorisch geöffneter Unterricht noch kein methodisch offener Unterricht ist, zeigt das Beispiel Wochenplanarbeit: Denn hier steht lediglich die Dimension „Zeit“ den SchülerInnen (in einem klaren Rahmen) als flexible Planungsgröße zur Verfügung.
Für die pädagogisch-didaktische Planung und mögliche methodische Variationen kann der zuvor erläuterte „Didaktische Schieberegler“ (Axel Krommer, Philippe Wampfler, Wanda Klee) genutzt werden. Mithilfe der Dimensionen ließe sich gerade die LPS-Methode mit wenigen Eingriffen in die Struktur flexibel variieren und lerngruppenspezifisch ausdifferenzieren. Für die eigene Reflexion kann dabei die von Bob Blume initiierte und von Simon Bärmann programmierte interaktive Version des Schiebereglers hilfreich sein:
Vertrauen und Freiheit | Kontrolle und Struktur | |
Neue Technik | Einfache Technik | |
Asynchron | Synchron | |
Offene Projektarbeit | Kleinschrittige Übungen | |
Peerfeedback | Feedback durch Lehrende |
Ebenfalls hilfreich für eigene Überlegungen und eine systematische Unterrichtsentwicklung können die 5 Dimensionen offenen Unterrichts nach Falko Peschel sein. Er differenziert in seiner kritischen Auseinandersetzung mit (vielgenutzten) Formen offenen Unterrichts nach organisatorischer, methodischer, inhaltlicher, sozialer und persönlicher Offenheit von Unterricht. Daraus entwickelt er auf Basis seiner eigenen, radikalen Vorstellung von offenem Unterricht ein Stufenmodell. Für die kritische Reflexion von Unterrichtsplanung und Unterrichtsentwicklung hochinteressant, weist es doch auf die Widersprüche häufig praktizierter (geschlossener) „offener“ Lernformate hin. Vielleicht auch eine Vorlage, um über Variationen und Weiterentwicklung der LPS-Methode nachzudenken?

Noch in Bearbeitung – weitere Themen für diesen und folgende Blogbeiträge
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- Das flexible Austarieren von Dimensionen wie Struktur vs. Offenheit, Individualisierung vs. Standardisierung, Instruktion vs. (Ko-)Konstruktion, individuelles Feedback vs. Peer-Feedback, Einzelerarbeitung vs kollaborative Erarbeitung usw. je nach Bedarf anhand weniger und einfacher modifizierender Eingriffe in die Google Slides-Vorlage
- Praxisbeispiele aus dem eigenen Unterricht (gerade in der Erarbeitung) für die Fächer Spanisch und Geschichte
- Praxisbeispiele aus dem Unterricht anderer Lehrpersonen (ich würde mich sehr über das Teilen von Ideen freuen – ggf. könnte daraus ein eigener Blogbeitrag analog zu dem „Padlet – 24 Praxisbeispiele“-Beitrag entstehen)
- SchülerInnen-Feedback zur EEE- und LPS-Methode
- Überarbeitung auf Basis von SchülerInnen-Feedback
- Bewertungsmaßstäbe für offene Lernpfade
Keep up the good work! Just shared this blogpost with our EU project LinguaCoP: https://linguacop.eu/resource/blended-learning-2-methoden-fur-den-online-unterricht/
[…] 2. Beitrag von Hauke Pölert (@HPoelert): Blended Learning – 2 Methoden für den (Online-)Unterricht: EEE- & LPS-Methode […]
[…] für die didaktische Planung von Blended Learning, also die ganz selbstverständliche Verbindung von „klassischem Unterricht“ in seinen […]